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2. Juni, 2010 | irina.salewski


Die Fußball–Weltmeisterschaft ist eine Hochsaison nicht nur für Fußballmannschaften und Fans, sondern auch für die, die darüber berichten. Dies hat sich das Österreichische Medienjournal zum Anlass genommen, um den Sportredakteuren der Tageszeitung KURIER, Alexander Strecha und Harald Ottawa, bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen und sie über ihren Job zu befragen.

Nach der Redaktionskonferenz am Abend des Europa League (EL)-Finales leert sich die Sportredaktion nur langsam. Doch am Ende sind es doch nur die zwei Spätdiensthabenden Strecha und Ottawa, die bleiben und auf das Spiel warten.

Medienjournal: Wie kann man sich den Berufsalltag des Sportredakteurs einer Tageszeitung vorstellen?

Strecha: Er ist sehr abwechslungsreich. Es gibt zwar vorgegebene Dienstzeiten, aber diese können jederzeit variieren. Was den Sport von den anderen Ressorts der Zeitung unterscheidet, sind die extrem viele Spätdienste, die bis Mitternacht dauern. Dazu kommt noch, dass wir sehr viel unterwegs sind, bei den Spielen, in Trainingslager, etc. Da ist eine gewisse Flexibilität und Mobilität gefragt.

Medienjournal: Was für Grundeigenschaften muss ein Sportjournalist haben?

Strecha: Eine Begeisterung für Sport ist selbstverständlich Grundvoraussetzung. Er/Sie muss kein Fachmann/Fachfrau in allen Gebieten sein, aber ein Querschnitt an Wissen ist auf jeden Fall gut. Man muss wissbegierig, flexibel und mobil sein oder zumindest die Bereitschaft haben, zu sagen: „Ok. Ich setze mich jetzt ins Auto und fahre dorthin“, vor allem als Reporter. Und was man als Journalist einer Tageszeitung auf jeden Fall haben muss, ist die Flexibilität im Kopf. Das heißt, was man um 9:30 Uhr bespricht, kann um 14:00 Uhr komplett anders ausschauen.

Medienjournal: Sind Sie ein Fußballfan?

Ottawa: Ja, natürlich. Ich halte zu Sturm Graz.

Medienjournal: Objektivität ist das oberste Gebot des unabhängigen Journalismus. Wie schwer ist es, objektiv zu bleiben, wenn Sie über diese Mannschaft schreiben?

Ottawa: Das bleibt draußen. Vielleicht gibt es Phasen, wo man sich ärgert, wenn zum Beispiel schon wieder die andere Mannschaft im Vorteil steht.

Strecha: In einem solchen Fall ist es sicher nicht immer leicht, objektiv zu bleiben, das gebe ich zu. Wenn einzelne Leute gewisse Vereine betreuen, dann hat man zu diesen Vereinen und zu den handelnden Personen ein Naheverhältnis.

Medienjornal: Wie wird die Arbeit der Redaktion bei der WM ablaufen?

Strecha: Zwei Leute von uns sind vor Ort in Südafrika und bringen die Hintergrund- und Featuregeschichten, die man sonst schwer bekommt. Diese persönlichen Eindrücke sind sehr wichtig. Die Teams werden in ein Tag- und ein Spätdienst-Team eingeteilt. Das ist die Aufteilung, die sich bei der Olympia schon bewährt hat. Die letzten Details werden aber sich innerhalb der ersten zwei Tagen einspielen.

Medienjournal: Und wie läuft die Arbeit heute ab? Was ist heute Abend deine Aufgabe?

Strecha: Zum einen muss ich über das EL-Finale einen Artikel schreiben. Aufgrunddessen werden wir jenes Match live mitverfolgen. Weiters ist immer wieder darauf zu achten, dass diverse Meldungen die über die Agenturen reinkommen nicht übersehen, sondern in den einzelnen Ausgaben platziert werden. Und die erste Ausgabe (Anm. d. Red.: Abendausgabe), die wir gemacht haben wird noch einmal gründlich redigiert. Eventuell bauen wir regionsspezifische Geschichten, die von unseren Mitarbeitern reinkommen, in den Regionalausgaben ein.

Die Zeit vor dem Spiel wird für das Aktualisieren der Kurznachrichten und für die Fertigstellung der Regionalausgaben genutzt. Wie von selbst schreiben sich die NÖ-Kurznachrichten und man hört Harald Ottawa ins Telefon sagen: „Fertig!“. Inzwischen holt Deutschland gegen Dänemark den Gruppensieg bei der Eishockey-WM. Keine fünf Minuten später ist die passende Kurznachricht eingefügt. Doch das Highlight des Abends bleibt das EL-Finale.

Medienjournal: Wie bereiten Sie sich auf ein solches Spiel vor? Wie entsteht die Geschichte?

Strecha: Die Geschichte an und für sich wird während des Spiels geschrieben. Da braucht man natürlich eine gewisse Routine, aber die haben wir mittlerweile. Wir sind schon lange genug in diesem Bereich tätig. Meistens ist es so, dass ich während der ersten Halbzeit mitschreibe und dann in der Pause, wenn Ruhe eintritt, mit dem Artikel beginne. Aufgrund des ungewissen Ausgangs bleiben der Ausgang beziehungsweise/oder die ersten zwei Absätze offen. Etwa ab der 70. Minute wird dann meistens weiter geschrieben. Am Ende werden nur noch Titel, Vorspann und Einleitung eingefügt. Im Prinzip sind wir zeitgleich mit dem Schlusspfiff fertig, mehr oder weniger.

Gesagt, getan! Das Spiel beginnt pünktlich um 20:45 Uhr. Beide Redakteure sitzen vor ihren Computern und beobachten das Geschehen auf dem daneben stehenden großen Flachbildschirm. Atletico Madrid kämpft in Hamburg im strömenden Regen gegen den englischen FC Fulham um den silbernen Pokal. Nach dem ersten Torschuss von Atleticos Diego Forlan macht Alexander Strecha hastig die ersten Notizen. Das Offensivspektakel der ersten Halbzeit begleiten die Kommentare seines Kollegen Harald Ottawa: „Der war gut!“ und „Super gemacht!“. Zwischendurch hört man ihn am Telefon sagen: „Burgenland ist raus!“. In der Halbzeitpause wird geschrieben. Die ersten Bilder werden diskutiert. Die Deadline wird mit 23:15 Uhr angesetzt.

Strecha: Aber das schaffen wir locker. Es sei denn, es geht in die Verlängerung.

22:35 Uhr. Das Spiel geht tatsächlich in die Verlängerung. Die Laune lässt etwas nach und Ungeduld zeichnet sich in beiden Gesichtern ab.

Medienjournal: Ein sport- bzw. fußballinteressierter Mensch sieht sich das heutige Spiel im Fernsehen an. Warum sollte er am nächsten Morgen Ihren Bericht darüber lesen?

Strecha: Die Zeitung kann Hintergründe und andere Eindrücke vermitteln. Jeder Fußballinteressierte schaut sich das an. Aber er möchte dann in seiner Zeitung lesen, ob er sich mit seiner Meinung in der Zeitung wieder findet oder nicht.

Ottawa: Und ein Paar Hintergründe können wir ja auch mitliefern. Es ist ja nicht nur so, dass wir einen reinen Bericht schreiben. Im Großem und Ganzen ist es das zwar, doch wir haben noch zusätzlich etwas für den Leser parat. Vielleicht hat er ja auch nicht alles gesehen.

Um 23:08 Uhr fällt endlich das entscheidende Tor für Atletico. Die Beiden sind erleichtert, die Deadline ist doch noch zu schaffen. Sofort geht’s zurück zum Computer. Der Bericht wird fertig geschrieben. Das schon vorher ausgesuchte Bild wird integriert und der Artikel mit dem Titel „Forlan schießt Atletico zum Premierensieg“ wird pünktlich um 23:15 Uhr abgegeben.


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