
Neue Medien haben bereits Einzug in unseren Alltag genommen und bringen vielfältige Methoden wie Blogs, Wikis, Online-Netzwerke und viele andere Kommunikationsmöglichkeiten mit sich. Charakterisiert durch eine gewisse Schnelllebigkeit, erfordert der Umgang mit Neuen Medien auch eine intensivere Auseinandersetzung mit diesen. Im Rahmen von Events und Workshops leistet das österreichische Netzwerk für digitale Medien Digitalks Hilfestellung dabei. Meral Akin-Hecke, Gründerin und Leiterin von Digitalks, spricht im Interview mit dem Medienjournal über die neuen Möglichkeiten für JournalistInnen, die Zukunft von Blogs, Print- und Onlinezeitungen und was wir uns in Zukunft von Digitalks erwarten können.
Medienjournal: Österreichische Medienförderungen kennen keine Online-Presseförderung und erste recht keine „News on Social Media“-Unterstützung. Sollte in diesem Bereich die eigentliche Aufklärung beginnen?
Akin-Hecke: Zur Förderungslandschaft selber kann ich nicht viel sagen, da ich sie nicht kenne. Die Aufklärung muss auf jeden Fall stattfinden und deshalb gibt es auch Digitalks. Wir wollen die Verschiedenheit der Medien zeigen und dass digitale Medien auch zur Medienlandschaft dazugehören.
Medienjournal: Sie haben am letzten Video Barcamp teilgenommen – News on Video hat beim diesem die Bildung einer Gewerkschaft vorgeschlagen, ist aber kaum auf Interesse gestoßen. Warum ist das so?
Akin-Hecke: Auf einem Barcamp so etwas vorzuschlagen ist ein erster Schritt. Das muss nicht gleich auf hohes Interesse stoßen. Jene, die sich für eine Gewerkschaft einsetzen oder mitmachen wollen, sind beim Barcamp zum Teil gar nicht vertreten. Es ist ein langer Weg, denke ich. Man muss Menschen mit denselben Zielen an einem Tisch zusammenbringen, um so etwas zu diskutieren. Wenn man jedoch bei einem Barcamp so einen Vorschlag macht, kann es sich um eine Art Ankündigung handeln, die nicht gleich großes Interesse weckt.
Medienjournal: Sie haben es bei den vergangenen Digitalks angesprochen: Welchen neuen Herausforderungen müssen sich die JournalistInnen heute stellen und was müssen sie können?
Akin-Hecke: Wir schreiben natürlich nicht vor, was JournalistInnen können müssen. Wir zeigen auf, was sie mit digitalen Medien erreichen können, wie sie sich in ihrer Arbeitsweise verändern sollen, dass sie flexibel sein und sich auch andere Medien, wie Social Networks, Foren oder Blogs, als Quellen ansehen sollen und natürlich behandeln wir herkömmliche journalistische Tätigkeiten. Wir sind nicht der Meinung, dass alle BloggerInnen JournalistInnen sind. Es geht aber darum, hier die Bandbreite zur Kenntnis zu nehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Wo sind die Menschen? Wo reden sie über Themen, Marken, Nachrichten, Politik?
Medienjournal: Sie haben von einem Mehr gesprochen, das Social Media für JournalistInnen bringt. Wie sieht das aus?
Akin-Hecke: Das Mehr ist unter anderem die Direktheit des Zugangs zu Informationsquellen. Bisher wurde vieles über externe Stellen kommuniziert. Jetzt haben die JounalistInnen die Möglichkeit, Betroffene direkt zu befragen und diese Informationen auch zu erhalten.
Medienjournal: Apropos Blogger und Journalist: Wo wird ein/e BloggerIn zum/r JournalistIn?
Akin-Hecke: Ich unterscheide sehr wohl zwischen BloggerIn und JournalistIn. Wenn aber ein/e BloggerIn unbedingt JournalistIn sein will, dann wird er/sie auch JournalistIn sein. Der Unterschied liegt in der Tätigkeit. BloggerInnen schreiben mehr in ihrer eigenen Sichtweise und für sich selbst. Sie müssen nicht unbedingt den journalistischen Kriterien gerecht werden.
Medienjournal: Das Ziel von Digitalks ist, Menschen über 26 Jahren Medienkompetenz zu vermitteln. Ist der Digital Divide wirklich ein Altersproblem?
Akin-Hecke: Prinzipiell schon. Menschen, die ohne Internet und ohne Zugang zu Computern oder der neuen Handygeneration aufgewachsen sind, haben ihre Schwierigkeit im Umgang mit den Neuen Medien. Es ist einfach Übungssache. Das muss diese Generation lernen, wobei sie mehr Hilfe brauchen als die jüngere Generation. Generell muss das Verständnis näher gebracht werden, wie ich mit diesen Medien den Alltag bewältige. Hier ist nicht das Alter das Problem, sondern der Zugang. Wie kann ich diese Medien einsetzen, was mache ich daraus und wie kann ich sie für mich nützen? Digitalks hat beschränkte räumliche Kapazitäten. Wir haben berufstätige Menschen als Zielgruppe und die sind in unserem Verständnis meist über 26 Jahre, daher diese Unterscheidung.
Medienjournal: Wäre diese Gruppe nicht eher die 50+ Generation?
Akin-Hecke: Das würde ich nicht unbedingt sagen. Ich kenne sehr viele Leute um die 30 Jahre, die noch nie einen Blog gesehen haben oder nicht auf Facebook oder Twitter sind und keine Podcasts hören. Diese sind unsere Zielgruppe.
Medienjournal: Blätter aus Holz versus Bits und Bytes. Was ist effizienter und was macht Digitalks einzigartig?
Akin-Hecke: Was Digitalks einzigartig macht, ist die Art und Weise wie wir die Themen angehen und wie wir sie für die Zuhörer und Zuhörerinnen aufbereiten. Das hat aber nichts mit Blättern versus Online zu tun. Was wir bei Digitalks anders machen ist, dass wir alles praktisch zeigen und erfahrene User und Userinnen einladen, die alle Fragen direkt beantworten. Wir bieten weniger einen Vortrag als vielmehr Workshops. Wir wollen ein Gefühl dafür vermitteln, wie diese Medienlandschaft aussieht.
Medienjournal: Das bringt mich zu einer anderen Frage: Welche Motivation steckt hinter der Gründung von Digitalks?
Akin-Hecke: Genau aus diesem Grund – da sich nicht alle Menschen über 26 Jahren mit diesen Medien auskennen. Technologien ändern sich so schnell und wir rennen ihnen ständig hinterher. Dauernd kommt etwas Neues und niemand erklärt diese Neuerungen – vor allem kostenlos. Wir machen keine Schulungen sondern veranstalten Infoabende, wo man solche Menschen kennenlernen kann, die sich schon länger damit beschäftigen. Außerdem geht es ums Vernetzen. Wir wollen zeigen, dass es BloggerInnen sowie Leute auf Twitter gibt, die Podcasts oder Videocasts machen. Du kommst zu uns, lernst diese Fähigkeiten und lernst gleichzeitig diese Personen kennen.
Medienjournal: In die Zukunft streifend – das 21. Jahrhundert als Ende der Zeitungen? Oder ist mein RSS-Reader die neue Zeitung und was kommt morgen?
Akin-Hecke: Wenn wir von Zeitungen reden, dann würde ich das nur auf das Printprodukt beschränken und sagen, das gedruckte Werk wird sich verändern. Das würde ich auch begrüßen. Jetzt haben wir noch eine Generation, die wir nur mit Printprodukten erreichen und nicht online. Aber in zehn bis zwanzig Jahren wird das nicht mehr so sein. Dann wird jeder und jede seine und ihre Zeitung und Nachrichten auch online konsumieren können. Und da wird das Printprodukt in seiner ursprünglichen Form nicht mehr existieren. Aber die Zeitung an sich wird nicht verschwinden.
Medienjournal: Stichwort „Medienkonvergenz“, Fernsehen am Handy hat auch nicht funktioniert?
Akin-Hecke: Ja, denn es gab die technischen Voraussetzungen noch nicht. Wir hatten keine angemessenen Handys und das Internet am Handy war zu teuer. Heute leistet sich etwa ein Prozent der Bevölkerung diese Technologien. Deswegen funktioniert Fernsehen am Handy nicht. Zudem müssen sich die Formate dem Medium anpassen. Am Handy schaue ich nicht fern! Das muss anders aussehen.
Medienjournal: Wo wird sich Digitalks die nächsten Jahre hinbewegen? Was sind die großen Themen?
Akin-Hecke: Das weiß ich noch gar nicht. Wir greifen Neues auf, wenn es sich schon gewissermaßen durchgesetzt hat, also erst, wenn es für die Masse bestimmt ist. Die nächsten Themen werden sicher „Location Based Services“ sein, also alles, was mit Geodaten zu tun hat. Wir befinden uns diesbezüglich in einer ganz neuen Ära. Wie viel Information gebe ich preis – beispielsweise, wo ich gerade bin. Wozu ist diese Information überhaupt nützlich? Was kann ich daraus machen? Ein weiteres Thema ist „Augmented Reality“. Dazu werden wir sicher etwas in den nächsten Monaten machen, denn das ist keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität.
Medienjournal: Bewegte Bilder sind das gegenwärtige Schwerpunktthema bei Digitalks. Was darf man sich von den bewegten Bildern künftig erwarten?
Akin-Hecke: Womit wir uns derzeit beschäftigen ist, wie sich die Videoformate, also das, was wir bisher als Fernsehen verstanden haben, in Verbindung mit dem Web und dem Handy verändern. Hier denke ich, dass sehr viel machbar ist, vor allem in Richtung Livestream. Man kann von überall Bilder schicken, diese automatisch online stellen, ohne etwas zu verändern. Das bedeutet auch ein verändertes Medienbewusstsein.
Medienjournal: In den Medien liest man mancherorts, dass Blogs tot seien. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Akin-Hecke: Blogs sind nicht tot. Der Medienhype hat einfach nachgelassen. Das ist, finde ich, auch gut so, denn alles, was gehyped wird, erzeugt extra Aufmerksamkeit, die es oftmals nicht verdient hat. Blogs wird es künftig immer geben, in der einen oder anderen Form. Vielleicht ändern sich die Techniken und Technologien dahinter, aber die Menschen werden ihre Gedanken weiterhin aufschreiben und öffentlich mitteilen.
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