
APA OTS (Originaltext-Service) ist Österreichs stärkster Verbreiter von Presseaussendungen. Durchschnittlich 280 Aussendungen versendet die Tochterfirma der APA (Austria Presse Agentur) tagtäglich an die Medienmacher Österreichs, aber auch an interessierte Privatpersonen. Karin Thiller, Geschäftsführerin von APA OTS sprach mit dem Österreichischen Medienverband unter anderem über die aktuellen Herausforderungen der Medienbranche, die Funktion von OTS und die Relevanz sozialer Netzwerke.
Medienjournal: Über APA OTS senden zahlreiche nationale und internationale Unternehmen. Wie geht es dem „Businesskundenjournalismus” in Österreich?
Thiller: Wir haben den Eindruck, es geht ihm gut. Wir haben mit Spannung die Entwicklungen verfolgt, weil ja 2009 kein sehr gutes Jahr war – die große Krise in der PR-Branche ist aber ausgeblieben. Die gesamte Unternehmenskommunikation ist weniger betroffen als zum Beispiel die Werbung. Natürlich muss überall gespart werden, aber so richtig eingebremst wurde nicht. Auch was die Anzahl der Aussendungen und den Umsatz von APA OTS betrifft, können wir uns nicht beschweren – wir hatten im letzten Jahr ein Wachstum. Es war natürlich schwierig, aber wir spürten keine drastischen Rückgänge.
Medienjournal: Derzeit gibt es ja große Umbrüche und Revolutionen in der Medienbranche. Was sind die Herausforderungen der Medienbranche für den Businesskundenjournalismus?
Thiller: Aus meiner Sicht ist die größte Herausforderung die Diversifizierung der Kanäle – man muss so viele verschiedene Kanäle bedienen. Früher war es nur die Tageszeitung, mittlerweile müssen neben Zeitungen und Magazinen, der Online Bereich bedient und die ganzen sozialen Netzwerke mitgedacht werden. Man muss für Facebook und Twitter etwas machen, einen Blog führen… Es muss viel Aufwand und Denkarbeit investiert werden, um dieser Aufsplitterung der Zielgruppen gerecht zu werden. Die Zielgruppen werden kleiner, dafür etwas genauer. Man trifft damit zwar leichter seine Zielgruppen, aber nur unter Einsatz von sehr viel Know-How.
Medienjournal: Wir haben von „Businesskundenjournalismus” gesprochen. Kann man hier überhaupt von Journalismus sprechen. Oder führen wir die Frage sogar weiter – Ist die OTS bezahlter Bürgerjournalismus?
Thiller: Das ist eine gute Frage. Aber nein, Bürgerjournalismus ist es nicht, es ist interessensgeleitete Kommunikation. Es ist Kommunikation, die aus den Unternehmen und Organisationen kommt. Bürgerjournalismus ist es insofern nicht, weil nicht der einzelne Bürger zu Wort kommt, sondern immer nur jemand, der in eine Organisation – und sei sie noch so klein – eingebettet ist. Sprich, derzeit bieten wir keine Möglichkeit, als Privatperson auszusenden. Trotzdem achten wir darauf, dass jeder, der in irgendeiner Form zum Diskurs oder zu einem gesellschaftspolitischen Thema beiträgt, auch zu Wort kommt. Und wir versuchen auch, unsere Preise so gestalten, dass das möglich ist.
Ich würde es also als eine sehr breite Diskursplattform bezeichnen, bei der ganz gezielt darauf geachtet wird, dass alle Gruppen, die etwas zu einem Thema zu sagen haben, zu Wort kommen.
Medienjournal: Können Sie uns kurz den Unterschied zwischen der Verbreitung einer Presseaussendung über OTS und einem herkömmlichen, selbst recherchierten Presseverteiler erklären?
Thiller: OTS verbreitet einerseits über das Netz der APA, das heißt wir landen direkt in den Redaktionen der wichtigsten Medien -das ist ein sehr wesentlicher Unterschied. Wir haben andererseits auch eine sehr stark frequentierte und Suchmaschinen-optimierte Website und rund 15.000 Personen nutzen unser Mail-Aboservice. Wir haben zudem Content-Partner, auf deren Seiten wir unsere Inhalte darstellen. www.ots.at hat auch ein Archiv, in dem man kostenlos zurück bis 1999 recherchieren kann. Man wird also wieder gefunden, wenn man über uns aussendet, was beim Versand über Mail nicht der Fall ist. Eine OTS-Aussendung ist außerdem weniger anfällig auf Abwesenheiten oder Urlaube. Wir möchten allerdings eine personalisierte Pressearbeit nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Medienjournal: Wenn man eine Aussendung über OTS versendet – mit welchem Feedback kann man rechnen?
Thiller: Das Feedback, das Aussender haben, ist das, was sie von Journalisten und Lesern bekommen. Seit Kurzem kann man auch direkt auf die OTS Feedback an den Aussender schicken. Was tatsächlich zum Kunden zurückkommt, erheben wir derzeit nicht systematisch. Wir erfahren aber bei regelmäßigen Kundenbefragungen, dass man mit der Resonanz zufrieden ist. Das zeigt auch die Kundenstatistik, denn wir verlieren kaum Kunden – wer OTS nutzt, nutzt es dauerhaft und über Jahre.
Medienjournal: Warum sollten zum Beispiel die Mitglieder des Österreichischen Medienverbandes das Service von APA OTS nutzen? Was sind die konkreten Vorteile?
Thiller: Sie sollten OTS nutzen, immer wenn sie bei einem öffentlichen Diskurs dabei sein wollen. Immer wenn es ein Thema gibt, zu dem man etwas zu sagen hat, sollte man das auch tun. APA OTS ist eine Diskursplattform, die sehr stark frequentiert und gelesen wird. Es ist eine sehr gute Möglichkeit, Öffentlichkeit zu bekommen und zu erzeugen.
Medienjournal: Was wollen Journalistinnen und Redakteurinnen eigentlich von der PR?
Thiller: Üblicherweise guter Inhalt, eine interessante Geschichte. Etwas Spannendes, Neues, Aktuelles und richtige Fakten. Sie wollen Inhalte, die ihr Medium für die jeweiligen Leser interessanter machen.
Medienjournal: Wie sieht denn eine perfekte Presseaussendung aus? Was muss, Ihrer Meinung nach, beachtet werden, damit die Inhalte möglichst wieder in den Medien zu finden sind?
Thiller: Es gibt bestimmte Formalkriterien: Die Aussendung sollte einen einzeiligen Titel und einen aussagekräftigen Leadabsatz haben, der die W-Fragen beantwortet. Sie hat einen spannenden Inhalt, richtige Fakten, ist kurz und knapp geschrieben und enthält – ganz wichtig – einen Rückfragehinweis. Idealerweise ist auch gleich Bildmaterial dabei. Und wenn die Aussendung dann noch eine Kernbotschaft und ein Originalzitat enthält ist es überhaupt perfekt.
Medienjournal: Welche Trends zeichnen sich in der Kommunikationsbranche ab?
Thiller: Aus meiner Sicht zeichnet sich ein starker Trend zur Aufsplitterung der Kanäle ab. Wir beobachten die Social Networks sehr genau. Es gibt neue Studien, nach denen ein sehr hoher Anteil der Journalisten auf Facebook aktiv ist – dies gilt aber nicht als journalistische Quelle, mehr als Inspiration. Aber ich glaube schon, dass die Informationsbeschaffung durch soziale Netzwerke ein Trend ist, und sei es eben nur als Anregung, als Agenda-Setting.Ansonsten natürlich der Trend zur Schnelligkeit – Tageszeitungen werden eher zum Erklär- und Hintergrund- als zum aktuellen Medium. Außerdem sehe ich einen ganz großen Trend zum Bewegtbild – derzeit der wohl größte Trend. Das bewirkt auch eine Änderung im Qualitätsanspruch: Journalisten, aber auch PR-Verantwortliche müssen heutzutage sehr viel können und sich an die Konsumgewohnheiten anpassen.
Medienjournal: Wie sehen Sie die Zukunft von Social Networks, nicht als Quelle, sondern als Distributionskanal?
Thiller: Genau kann ich das noch nicht sagen. Ich sehe ein Problem darin, weil man die Kommunikation hier nicht sehr quellensicher gestalten kann. Man kann nie sicher sagen, wer die Quelle ist, denn Profile kann man sich sehr leicht anlegen. Technisch ist das System also nicht gesichert. Von den Themen her ja, hinsichtlich der Fakten würden sich die meisten Journalisten noch nicht darauf verlassen. Denn wenn man die Netzwerke gezielt nutzt, gibt es auch genug Möglichkeiten der Desinformation, wie man immer wieder beobachten kann.
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