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25. August, 2010 | victoria.zedlacher


Der Verein International Network for Human Rights setzt sich seit 2003 für Missbrauchsopfer ein. Mit der Plattform inhr.net versucht Herausgeber Roland Reichmann eine größere Öffentlichkeit zu den brisanten Themen des Vereins zu schaffen.

Durch die Kritik die er vor allem an Jugendämtern, Kinder- und Jugenschutzorganisationen und am Staat übt, machte er sich vor allem in der Vergangenheit nicht viele Freunde. 2008 wurde der Verein von staatlicher Seite aufgelöst. Im Gespräch mit dem Medienjournal erklärt Reichmann unter anderem die publizistische Arbeit zu heiklen Themen und wie es passiert Staatsfeind zu werden.

Medienjournal: Was war die Intention den Verein bzw. die Plattform zu gründen?

Reichmann: Ein eigenes Verfahren. Ich wurde 2002 wegen Kindesmissbrauch an der eigenen Stieftochter verdächtigt. Dadurch bin ich in dieses System geraten und habe gesehen, wie es funktioniert. Meine Stieftochter war damals sieben Wochen lang in der Psychiatrie eingesperrt, bis sie bereit war eine Aussage zu machen. Erst dann durfte sie nach Hause. Davon hat sie Dauerschäden davongetragen. Ich war schockiert. Dass die Vorwürfe die an mich gestellt wurden nicht stimmten wusste ich ja. Meine Stieftochter hat immer probiert ihre Aussage zu widerrufen. Die Richterin ließ sie schließlich nicht aussagen, dass sie zu einer Aussage gezwungen wurde. Alle Tests belegten jedoch, dass nichts vorgefallen ist. Ich habe die Vorwürfe zuerst auf die leichte Schulter genommen. Doch so eine Sache prägt einen. 2003 habe ich schließlich begonnen im Internet zu publizieren. Plötzlich traten an die 80 Leute an mich heran, denen Ähnliches widerfahren ist. Daraufhin haben wir gemeinsam angefangen das System zu hinterfragen – wie zum Beispiel Psychotests funktionieren, welche Positionen Jugendämter einnehmen, welche Rolle Kinder- und Jugendschutzorganisationen haben etc.

Medienjournal: Besteht hier nicht auch die Gefahr, dass man auf schwarze Schafe stößt?

Reichmann: Natürlich. Wir mussten uns auch mit Trittbrettfahrern auseinandersetzen.

Im Weiteren haben wir jede Anfrage und jeden Fall geprüft. Wir mussten ja wissen ob ein besagtes Opfer nicht vielleicht doch ein Täter ist und wir nicht den Falschen schützen. Das ist alles sehr heikel.

Medienjournal: Stichwort heikel – das sind Ihre Themen durchaus. Man kann sich daran leicht die Finger verbrennen. Woher bekommen Sie Ihre Informationen aufgrund deren Sie die Artikel verfassen?

Reichmann: Das sind Eigenfälle in denen alle Akten und Unterlagen vorhanden sein müssen. Ich arbeite nicht auf Zuruf von irgendjemanden hin. Wenn jemand Unterstützung haben will – egal ob Opfer oder Täter – muss diese/r immer mit sämtlichen Unterlagen zu mir kommen. Die Bestände müssen schriftlich vor mir liegen.

Medienjournal: An welche Zielgruppen wendet sich die Plattform inhr.net?

Reichmann: An viele. Unsere Themen betreffen auch die „normalen“ Familien, besonders das Thema Scheidung und Trennungssituationen. Hier kann Missbrauch eine Rolle spielen. Wir setzen uns aber auch für eine gemeinsame Obsorge und ähnliche Themen ein.

Medienjournal: Welche Erscheinungsform hat Ihre Plattform?

Reichmann: Wir publizieren nach Bedarf – also phasenweise. Wir recherchieren sehr viel und während der ganzen Recherche kann wenig berichtet werden. Ich will die betroffenen Personen gegen die wir recherchieren ja nicht vorwarnen. Erst nachdem wir Tausende von Akten-Seiten gesichtet und beurteilt haben, können wir an die Öffentlichkeit gehen. Die Vorwürfe – manchmal betreffen sie auch hochrangige Politiker – müssen geprüft sein und die Anklage wasserdicht. Denn mit Anschuldigungen, die dann gar nicht stimmen, ist niemanden gedient.

Medienjournal: Nutzen Sie auch die sozialen Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder Twitter?

Reichmann: Das haben wir gerade in Arbeit. Wir haben unsere ersten Schritte im Facebook gemacht und sind langsam am Kontakte knüpfen. Ich halte Facebook für ein wichtiges System.

Medienjournal: Wieviele Leute arbeiten bei dem Verein bzw. bei ider Plattform mit?

Reichmann: Bei der Plattform arbeiten drei Leute mit plus zwei Techniker die die Server warten. Wir sind nicht fremdgehostet, die Server befinden sich in unserer Hand. Als weiteren Spezialbereich bieten wir unsere Server weiteren 16 österreichkritischen Seiten aus Deutschland an. Unsere Server kann man somit nicht so einfach abschalten, das geht nur mit gerichtlichem Beschluss.

Medienjournal: Kritik macht manchmal mehr Feinde als Freunde. Ihr Verein wurde bereits einmal abgemeldet. Wie kann so etwas passieren?

Reichmann: Ganz einfach. Indem man erkennt, dass der Verein eine gewisse Gefahr für andere Organisationen darstellt. Das hat zumindest die AG Jugendwohlfahrt erkannt. Im Herbst 2008 wurde inoffiziell beschlossen dass dieser Verein weg muss. Gleichzeitig wurde der Auftrag erteilt – die internen E-Mails liegen uns vor – dass jedes Jugendamt sofort die Landesstelle zu informieren hat, wenn INHR eingreift. Wir hatten insgesamt fünf Strafverfahren am Hals plus die Vereinsabmeldung. Das hat die Volks- und Staatsanwaltschaft in Klagenfurt eineinhalb Jahre überprüft. Man konnte uns nichts nachweisen. Auch der Verdacht auf Besitz von kinderpornographischen Material konnte uns, nachdem PCs und Server beschlagnahmt wurden, natürlich nicht nachgewiesen werden. Die PCs sind bis heute nicht zurück.

Medienjournal: Sie prangern ja auch die kommerziellen Medien in ihren Artikeln an und werfen diesen auch Machtmissbrauch und Manipulation vor.

Reichmann: Über viele Themen wird viel zu einseitig berichtet. Deshalb musste ich auch die Kärntner Tageszeitung (KTZ) in Graz vor das Gericht stellen. Es handelt sich hierbei um einen hetzerischen Artikel und ich musste die Zeitung klagen, weil ich meine, dass weder Täter noch Opfer damit geholfen ist. Wir arbeiten sehr wohl mit etablierten Medien, wie zum Beispiel dem Kurier oder dem ORF zusammen. Diese erhalten Informationen von uns. Dennoch muss man gewisse Berichterstattungen kritisieren.

Medienjournal: Sie haben auch auf Ihrer Website keine Werbung. Wie finanziert sich Ihr Verein?

Reichmann: Aus eigenen Mitteln. Wir haben Unterstützer für die das Thema wichtig ist und wir leben von Spenden. Wir haben noch um keine öffentlichen Förderungen angesucht, weil wir zuerst zeigen wollten, dass wir was leisten können. Ende 2010 möchte ich einen Bericht zusammenfassen, indem wir aufzeigen, was wir geleistet haben. Wir können dann ausrechnen, was wir dem Staat, durch vielleicht abgekürzte Verfahren, verhinderte Gerichtsverhandlungen (weil wir im Vorfeld Probleme bereinigen konnten), etc. gespart haben.

Medienjournal: Können sie von sich aus sagen, dass die Artikelrecherchen etc. einen Knalleffekt ergaben bzw. direkt helfen?

Reichmann: Ja, wir haben 2008 im Jänner den berühmten Friedrich-Artikel geschrieben. Benannter Gutachter Prof. Dr. Max Friedrich wurde dadurch bekannt tausende Gutachten gefälscht zu haben. Ich habe die Medien darüber informiert diesen Friedrich medial anzugreifen. News und die Krone sind auf dieses Thema aufgesprungen und haben Herrn Friedrich ebenfalls massiv angegriffen. Heute kann Herr Friedrich keine Falschgutachten mehr ausstellen. Und diese Geschichte ist von uns ausgegangen.

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