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11. August, 2010 | mahriah.zimmermann

Wie die schöne alte und schöne neue Welt der Medien aussieht, wie sich die Zukunft der Medienbranche gestaltet und warum er Freie Medien nicht ganz versteht, erklärt FM4-Moderator Martin Blumenau im Gespräch mit dem Medienjournal.

Medienjournal: Die Medienbranche steht zurzeit im Umbruch, der Journalismus gerät weiter unter Druck und neue Geschäftsmodelle werden benötigt. Wie sollen die Freien Medien mit der veränderten Situation umgehen?

Blumenau: Ich habe mit der Definition des Begriffs Freie Medien mittlerweile ein sehr großes prinzipielles Problem. Ich kann nachvollziehen wie das bei audiovisuellen Medien ist, mir ist relativ klar was Freie Radios sind und was sie können, vor allem im Vergleich zu großen Public-Radio-Systemen in anglo-amerikanischen Ländern. Es ist mittlerweile auch jedem relativ klar was der Freie Fernsehkanal kann, wie das jedoch im Print- und Onlinebereich aussehen soll, verstehe ich nicht ganz.

Medienjournal: Letztlich vertritt der Medienverband eine Menge Special-Interest-Magazine, deren Besitzverhältnisse ganz unterschiedlich sind. Das geht von Magazinen die in einem klassischen Verlag erscheinen, bis hin zu Medien die von Einzelpersonen umgesetzt werden.

Blumenau: Das ist interessant und wichtig und das hat es auch immer gegeben und soll es weiter geben. Ich finde jedoch, dass sind keine Freien Medien, das sind einfach Medien. Der Begriff des Freien Mediums ist da nicht angebracht, weil jemand, der einem Einzelinteresse unterliegt, ist genauso wenig frei wie ein Medium das in einem normalen Verlag erscheint. Ich sehe da keinen Unterschied zu den Mainstream-Medien.

Für mich sind die sogenannten Freien Medien einfach kleinere Medien, die mit all den Problemen genauso umgehen sollen und müssen wie die anderen.

Medienjournal: Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach partizipative Medien in der veränderten Medienlandschaft, wie sieht ihre Zukunft aus und was können Sie leisten?

Blumenau: Würde der österreichische Medienmarkt funktionieren, dann müssten wir darüber gar nicht reden. Dann wäre das ansatzweise umgesetzt. Die Mainstream-Presse hätte bereits einen durchaus partizipativen Internetauftritt und dann gäbe es jede Menge Web-Medien, die sich genau damit beschäftigen. Dann würde auch die Diskussion vom Dreisäulenmodell im öffentlich rechtlichen Rundfunk ganz anders ausschauen. Nachdem das alles nicht so ist, sprechen wir von einer Situation die selbst der in Deutschland hinterher hinkt.

Projekte wie der Standard-Online haben erst an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt. Und auch die Durchmischung von Print und Online in den Medien, die euer Verband vertritt, ist bis auf ein paar wenige Ausnahmen so gut wie inexistent. Also da gibt es extrem wenig, dass man vorzeigen könnte und das ist natürlich eine Schande.

Medienjournal: Sie haben auf  FM4 über den letzten Tag der Freien Medien berichtet und haben den Artikel als „schöne alte Welt“ betitelt. Was stellen Sie sich unter einer schönen neuen Welt vor? Wie sieht die Zukunft der Medien aus?

Blumenau: Ich weiß nur, dass da gefühlsmäßig zu 100 Prozent Printprodukte ausgelegen sind, wahrscheinlich gab es auch ein paar Netzpublikationen die präsent waren. Die waren auf jeden Fall nicht am Bildschirm. Die schöne alte Welt ist die Printwelt und die schöne neue Welt ist die Verknüpfung und Verbindung aller Medienformen, über die wir aktuell verfügen. Aber diese neue Welt habe ich bei den Medientagen im Fluc nicht gesehen, deshalb die Formulierung.

Medienjournal: Das neue ORF-Gesetz ist unserer Meinung nach nicht sehr zukunftsorientiert. Was denken Sie kann diese Veränderung für Auswirkungen haben?

Blumenau: Das ist ein Problem, die Einschätzung ist richtig. Man hat sich da ohne Not nicht nur viele Möglichkeiten des Web2.0 wegnehmen lassen, sondern sich selber durch die Zustimmung zu dem Gesetz die Möglichkeit des Nachdenkens, über das was danach kommt, beraubt. Ob das geschickt ist, sei dahin gestellt. Das Problem beim Gesetz ist allerdings, es ist noch nicht ausdefiniert und deshalb ist nicht wirklich klar was alles bedeutet. Da werden jetzt im Sommer Juristen beratschlagen und feststellen was es tatsächlich bedeutet. Also es ist in diesem Zusammenhang immer von Schlupflöchern die Rede, denn in vielen Bereichen ist einfach noch nicht klar was das was da drinsteht, bedeutet.

Medienjournal: Durch das veränderte Nachrichtenkonsumverhalten muss sich auch die Werbewirtschaft anpassen. Peter Krotky von der Presse meinte dazu in einem Interview, dass die Medienkrise doch vielmehr eine Werbewirtschaftskrise ist. Kann die veraltete Werbeindustrie an der Medienkrise Schuld sein?

Blumenau: Ich finde es nur immer wieder verdächtig, wenn die eine Branche die definitiv in der Krise ist – und zwar definitiv in einer inhaltliche Krise ist, weil einfach die Medienkonvergenz die Krise verursacht hat – von dieser Krise frei reden will, indem sie die dann einer anderen aufschwatzt. Das finde ich verdächtigt. Die Werbeindustrie wird wahrscheinlich umgekehrt dasselbe sagen.

Die Krise ist gegeben, inhaltlich auf jeden Fall, wahrscheinlich auch ökonomisch, auch wenn sich das bislang noch nicht so richtig in Personalabbau etc. manifestiert hat. Die Frage wie man das vermeiden kann, was in den nächsten Monaten abgehen wird, traue ich mir nicht einzuschätzen, weil das eine Branche ist die von leichten seismografischen Störungen abhängig ist und da kann ein kleiner Ausreißer vieles verändern. Aber so zu tun als gäbe es keine ökonomische Medienkrise halte ich für ein bisschen gewagt.

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1 Kommentar »

  1. “Peter Krotky von der Presse meinte dazu in einem Interview, dass die Medienkrise doch vielmehr eine Werbewirtschaftskrise ist.”

    Weil ich´s grad erst nachlese: Ich hatte gemeint, dass die Medienkrise AUCH eine Krise der Werbewirtschaft ist. Gemeint damit war, dass auch die Werbewirtschaft, die wesentlich zur Finanzierung von Medien beiträgt, vom Umbruch der Medienwelt betroffen ist und möglicherweise – zumindest teilweise – gefährdet ist.

    Ich wollte damit keineswegs die Verantwortung von Medienmachern auf die Werbewirtschaft abwälzen. Klar gibt es da eine ganze Reihe von Themen – unter anderem die von Martin Blumenau angesprochene “inhaltliche Krise” – die die Medienmacher selbst lösen müssen, wo sie lernen müssen, mit den sich ändernden Gegebenheiten auf neue Weise zurechtzukommen. Und woran sie auch scheitern können. Woran dann sicher nicht die Werbewirtschaft schuld ist .

    Kommentar by Peter Krotky — Oktober 6, 2010 @ 7:56 pm

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