Die Aufdeckerseite Cryptome ist seit 15 Jahren offen, unfolgsam und hat Nachahmer inspiriert. Mit Wikileaks gehen die Masterminds, John Young und Deborah Natsios, streng ins Gericht: Informationsfreiheit darf kein Geschäft sein.
Die ersten Fotos des havarierten Reaktors in Fukushima, Passagen des Buches von Daniel Domscheit- Berg, erste Einblick in Openleaks. Hot News, die in den letzten 15 Jahren über die Aufdeckerseite Cryptome.org an die Weltöffentlichkeit gesickert sind.
„Looking for some hot stuff“
Im Juni 1996 ging Cryptome.org ans Netz. Seit Beginn stehen der New Yorker Architekt John Young und die Kartografin Deborah Natsios dahinter. Veröffentlicht wird, was nicht öffentlich sein soll: „Cryptome welcomes documents for publication that are prohibited by governments worldwide, in particular material on freedom of expression, privacy, cryptology, dual-use technologies, national security, intelligence, and secret governance — open, secret and classified documents — but not limited to those.” (Cryptome.org)
Cryptome beschränkt sich, im Gegensatz zu Wikileaks, auf das Weiterleiten und Veröffentlichen von Informationen. Kooperationen mit einzelnen Massenmedien gibt es nicht. Das Resultat nach 15 Jahren schonungslosem Leaken sind 65.000 veröffentlichte Files.
Richtigkeit und Authentizität der Files werden nicht geprüft, was Kritikern ein Dorn im Auge ist. Nach Auskunft von John Young hat das FBI zwar schon mehrmals angeläutet, aber noch nie musste etwas von der Website entfernt werden. Auch in Österreich hat es das Cryptome-Duo längst zu Bekanntheit gebracht. Im Jahr 2010 folgte die Auszeichnung als Defensor Libertatis im Rahmen des Big Brother Awards.
Wikileaks und Cryptome – ein schwieriges Auf und Ab
Als Reaktion auf den Defensor Libertatis-Award spricht sich John Young für noch mehr digitalen Ungehorsam aus. Wikileaks soll erst der Anfang gewesen sein: „Celebrating Cryptome should encourage others to do something similar, as you say, one, two, three and beyond. As Wikileaks was encouraged, and as it will inspire others to do.” (Big Brother Award 2010)
Die Beziehung zu der heute wohl bekanntesten Whistleblower-Plattform Wikileaks wird dennoch als kontrovers beschrieben. Young unterstützte Wikileaks zunächst, wendete sich inzwischen aber kritisch ab. Die Profitorientierung von Wikileaks und die Selbstdarstellung von Julian Assange sind John Young ein Dorn im Auge.
In einem Interview mit Technology Review erwidert er auf die Frage, ob man Cryptome und Wikileaks vergleichen kann: „Überhaupt nicht. Der größte Unterschied ist, dass wir nichts für Geld tun. Wikileaks ist eine Geschäftsorganisation, die vorgibt, eine gemeinnützige Organisation zu sein.“ (Interview auf heise.de)
Bild: Screenshot cryptome.org/ Katharina Lehner
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