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Sie ist mittlerweile allgegenwärtig, gehört im sozialen Umfeld schon fast zum guten Ton und grundsätzlich tut man gut daran, egal ob als Privatperson oder publizierendes Medium, möglichst daran beizutragen. Die Rede ist natürlich von der Facebook-Kritik.

Seit die Plattform das Ende der anonymisierten Web 2.0 Community eingeläutet hat, häufen sich die Verschwörungstheorien über Privatsphäre, den gläserneren Menschen, vielleicht sogar über die Weltherrschaft. Wobei man sich letztere wohl mit Google teilen müsste. Als perfektes Feindbild des modernen, kritischen und alternativen Mainstreams hat sich Facebook als perfekte Infrastruktur etabliert. Es ist fast wie mit McDonald’s, es gehört zur Anstandsmoral, darüber zu schimpfen, aber im Grunde weiß ein jeder, dass man mit hohlen Phrasen nichts bewirkt und der nächste Cheeseburger nicht ernsthaft gefährlich ist. Man könnte hierbei argumentieren, dass der mediale Anti-Facebook-Höhepunkt vorbei sei. Dem ist nur teilweise zuzustimmen. Natürlich sind die Themen über Privatsphäre schon seit Google und der Vorratsdatenspeicherung etwas aufgebraucht und eine „Expertenwarnung“ über ein beliebiges Forum, das private Daten an die Wirtschaft verkauft, kostet den Leser nur noch ein müdes Lächeln. Und dennoch ist das Thema noch so brisant, dass niemand anderer als der bekannte Regisseur David Fincher (Fight Club, Sieben) einen Film explizit über die Entstehtung von Facebook dreht. Und der Falter eine Anti-Facebook Coverstory dazu bringt (Ausgabe 39, 2010).

Vernetzung über Facebook

Mittlerweile besitzt jedes namhafte Online-Medium, sei es nun ein Freies Medium oder die Online-Ausgabe einer kostenpflichtigen Zeitung, die Möglichkeit, die Artikel nach dem Lesen über diverse Online-Plattformen (Facebook, Twitter, Delicious, Digg) zu verbreiten. Sehr viele Dienste bieten darüber hinaus die Möglichkeit, sich direkt über den eigene Facebook-Account auf die betreffende Seite einloggen zu können, ohne eine explizite Registrierung vornehmen zu müssen. Man muss fairerweise auch dazusagen, dass dies meist auch mit Google-, oder Yahoo-Accounts möglich ist.

Somit bleiben auf den Facebook-Servern nahezu ähnlich viele persönliche Daten gespeichert wie über Google Accounts. Was natürlich eine mögliche Einschränkung der Privatsphäre zur Folge hat. Das trifft heute noch niemanden, vielleicht auch morgen nicht, aber in absehbarer Zeit könnten diese Daten als Machtinstrument genutzt werden. Ob und auf welche Weise das geschieht, ist freilich nicht absehbar. Aber als Gedankenexperiment hat sich dies natürlich schon in den Köpfen festgesetzt und wenn nicht, braucht es eben noch zwei Fortsetzungen von Finchers „The Social Network“, damit auch der letzte Mensch im Internet ganz genau weiß, wie “böse” Facebook eigentlich ist und dass man es am besten nicht benutzen sollte.

Netz-Medienlandschaft

Doch abgesehen von der allgemeinen negativen Einstellung gegenüber Facebook, wie geht die Medienlandschaft mit diesem Phänomen um? Folgt man beispielsweise den kritischen Beitrag einer Falter-Zeitschrift, so könnte man es für ein Paradoxon halten, ebendiesen auf Facebook zu finden. Doch darf man dabei auch nicht vergessen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit einem Thema noch lange keinen Boykott nach sich ziehen muss.

Selbstverständlich sind also Medien auf Facebook vertreten, sei es als Erweiterung zur hauseigenen News-Website oder auch, um dort Werbung für die eigene Sache zu betreiben. In diesem Sinne folgen sehr viele Medien dem, was die Gesellschaft lesen will: Kritische, massentaugliche Beiträge wie unsere persönlichen Daten der Öffentlichkeit preisgegeben werden. Und selbstverständlich will man diese News über Facebook beziehen, vor allem auch, um dort mit einem „Like“ Button der ausgewählten Öffentlichkeit mitzuteilen, dass einem dieser spezielle Artikel „gefällt“.

Doch gibt es für Medien klare und nachvollziehbare Gründe, das soziale Netzwerk für den eigenen Zweck zu verwenden, als Erweiterung zum eigenen Online-Auftritt und auch als Bezugspunkt innerhalb dieser großen Community. Jeder Blog, der eine stattliche Anzahl an Lesern aufzuweisen hat, wird mit sehr großer Sicherheit auch auf Facebook mit einer Seite vertreten sein. Es wäre, angesichts der großen Popularität auch nicht der eigenen Sache dienlich, darauf zu verzichten. Von diesem Standpunkt kann man die geliebt verhasste Plattform mit samt ihrem sozialen Netzwerk als Dreh- und Angelpunkt der personalisierten Nachrichtenverteilung betrachten. Personalisiert deswegen, weil man unter Aufgabe der Anonymität, wie man sie beim Kauf einer Zeitung und auch beim Lesen von Online-Medien zu einem gewissen Grad gesichert hat, selektiv die eigene Auswahl an Informationen anderen Personen zugänglich machen kann. Mit so simplen Instrumenten wie dem „gefällt mir“-Button. Konzeptionell ist das auch nichts Verwerfliches, kann man so doch als Medium den Rezipienten teilhaben lassen, seine Meinung einfordern ohne Leserbriefe lesen zu müssen und anhand der Anzahl von positiven Rückmeldungen auf die Popularität der eigenen Artikel schließen.

Würde man Facebook offenlegen, wäre dies vermutlich das größte sozialwissenschaftliche Experiment der letzten Jahrzehnte: Die Teilnahme basiere auf freiwilliger Basis, unentgeltlich, Verzerrungsfaktoren durch den Experimentcharakter wären vernachlässigbar und die Probanden gäben mehr von sich preis, als man überhaupt wissen möchte.

In diesem Sinne stelle man sich vor: Eine namhafte Zeitung verfasst einen Online-Artikel, Facebook habe alle seine Nutzerdaten an große Konzerne verkauft, eine Katastrophe des Datenschutzes. Und vielen tausend Lesern „gefällt das“.

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