
Der Süddeutsche-Journalist Heribert Prantl geht mit seinem Vortrag „Die Leitartikler und Kommentatoren als verkappte Politiker – Wozu und zu welchem Ende gibt es den Meinungsjournalismus“ in die zweite Runde.
Dieses Mal spricht er über den Meinungsjournalismus und seine Arbeit als politischer Kommentator. Seiner Meinung nach trägt genau dieser Beruf entscheidend zur Meinungsbildung und Streitkultur in der Gesellschaft bei.
„Ein Kommentator schreibt aus dem Kopf, manchmal auch mit Herz und Seele“
Der Beruf, den Prantl als politischer Kommentator betreibt, verpflichtet ihn stets dazu, seine eigene Meinung klar aufzuschreiben, damit jeder sie verstehen, wenn möglich nachvollziehen und im besten Fall zum Vergnügen lesen kann. Jeden seiner Kommentare versteht er als Diskussionsbeitrag, der „keinesfalls kalt lassen, sondern an- und aufregen, überzeugen und zum Widerspruch anleiten“ soll. Diese Art des Schreibens nennt Prantl schlichtweg „Kommentar“, ein Streitstück, in dem klar Stellung bezogen wird. Im Gegensatz dazu sieht er den „Nicht-Kommentar“, bei dem Pro und Kontra ohne Festlegung einer eigenen klaren Position aufgezeigt werden und dem Leser daher keine Meinung vorgelegt, sondern eine eigene Entscheidung überlassen wird.
Als Kommentator muss man Prantl zufolge jedoch stets Partei ergreifen – für eine Sache, eine Person, ein Recht, ein Problem oder ganz einfach jene Menschen, die Unterstützung brauchen, weil sie nicht gehört werden. Es ist daher klar, dass ein Kommentar nie objektiv sein kann. Er ist immer subjektiv und sollte so geschrieben sein, dass er „auch jenem Leser Vergnügen bringt, der anderer Meinung ist“.
„Guter Journalismus wahrt Distanz“
Ein Kommentar soll Farbe haben, wenn bloß „nicht irgendeine Parteifarbe“. Ein politischer Journalist sollte also nie Mitglied in einer Partei sein, sondern stets Haltung bewahren und mit all seiner Kraft für Grundrechte und Grundwerte einstehen, denn „die Gesellschaft braucht ihren Halt in Grundrechten“, so Prantl.
Schließlich ist es für den Journalismus entscheidend, qualitativ zu arbeiten. So gibt er den Lesern und Leserinnen die Möglichkeit, ihm zu vertrauen. Das ist heutzutage „wichtiger denn je“, denn wenn man Vertrauen schafft, „kommen die Klicks, die Reichweite und die Auflage von ganz allein“. Mit Souveränität, Ausdauer und Neugierde schafft man es schließlich, guten Journalismus zu betreiben. Ob ein Leser im Endeffekt zustimmt oder nicht, ob der Kommentar ihn „kitzelt oder kratzt“ ist nicht von Bedeutung. Vielmehr ist es entscheidend, dass der Kommentator Sachkunde besitzt, um über ein Thema oder eine Problemstellung bestens Bescheid zu wissen und so gut argumentieren und kommentieren zu können. In dieser Kompetenz sieht Prantl für den Leser und die Leserin den Schlüssel zur Erkenntnis. Weil der Rezipient also stets nach Erkenntnis strebt, ist Prantl sich sicher – „den Kommentar wird es immer geben“.
„Ein Kommentar ist wie ein Stein, den man ins Wasser wirft. Er verändert die Qualität des Wassers nicht, zieht aber Kreise“.
Kommentar und Leitartikel sieht Prantl als kleine und große Steine, die in einer demokratischen Gesellschaft die Aufgabe haben, ein Gespräch anzuregen und Leser oder Leserinnen, die sich „in ihrer Meinung noch nicht festgelegt haben, zu überzeugen“. Das wird am ehesten in einer qualitativ hochwertigen Zeitung erreicht, wie Prantl es auch von der Süddeutschen Zeitung stets erwartet. Als unabhängiges, nationales Leitmedium mit hartnäckiger Recherche und verlässlicher, umfassender Information, das journalistische Professionalität und Ethik in sich vereint, ist es Ziel der Süddeutschen Zeitung, einen öffentlichen Diskurs zu ermöglichen.
Tipp: Teil 3 der Vorlesung von Heribert Prantl zum Thema „Pressefreiheit. Ein Grundrecht zur bequemeren Berufsausübung?“ gibt es am 18.Mai, von 10:00 -12:00 Uhr im Hörsaal 33 im Hauptgebäude der Universität Wien. Eintritt frei.
Bild: Stefanie Jennel
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