Banner
Jeden 2ten Mittwoch neu!
| Kontakt & Impressum | Presse | Flick Facebook Twitter RSS
30. Juni, 2010 | christoph.stachowetz

Das neue ORF-Gesetz ist beschlossen, der mediale Diskurs rund um die strittige Thematik ebbt langsam ab und die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt scheint in finanzieller Hinsicht für die nächsten Jahre gesichert zu sein. Mit dem aktuellen Public Value Bericht 2009/2010 sowie der Onlinepräsenz zukunft.orf.at dokumentiert der Sender nun erneut seine inhaltlichen Leistungen.

Als die British Broadcasting Corporation BBC im Juni 2004 das Beziehungsgeflecht zwischen Sender und Empfänger in Form eines Berichtes über den eigenen Mehrwert sowie die zukünftige gesellschaftliche Partizipation mit der Öffentlichkeit präsentierte, trat sie einen medienpolitischen Diskurs in großen Teilen Europas los. Öffentlich-rechtliche Sender in der Schweiz, Belgien, Italien und Deutschland griffen die „Building Public Value: renewing the BBC for a digital world“ betitelte Publikation auf und setzten sich intensiv mit der damit enthaltenen Materie auseinander. Im Mai 2007 reagierte auch die heimische Sendeanstalt ORF mit der Einrichtung eines Public-Value-Kompetenzzentrums.

Die Anstrengungen jener Institution kulminierten, neben einem hoch dotierten Forschungsprojekt zur Ermittlung des öffentlichen Mehrwertes, in einem mit der BBC-Publikation vergleichbaren, „Wert über Gebühr“ benannten Leistungsbericht im Dezember 2008. Eine weitere Maßnahme des Senders stellt das „ORF-Dialogforum“ dar: „ (…) ist eine Initiative im Rahmen der ORF-Public-Value-Maßnahmen, um das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Zivilgesellschaft zu beleben. Im Mittelpunkt der Diskussionsreihe stehen Herausforderungen und Perspektiven gesellschaftlicher Verantwortung in den unterschiedlichen Lebensbereichen der Menschen“. Ob und inwiefern der ORF aus diesen thematisch breitgefächerten Diskussionen mit Publikum und Experten eigene Strategien entwickelt oder sich in seiner Zielsetzung beeinflussen lässt, kann dabei nicht beurteilt werden.

Zum Leistungsspektrum des ORF

Anders stellt sich der Public-Value-Bericht der Sendeanstalt dar: „Wert über Gebühr“ nennt sich jene mehrere hundert Seiten umfassende und (mittlerweile) frei zugängliche Darstellung, mit der der österreichische Rundfunk dem geneigten Publikum seinen Mehrwert vermittelt. Die Konzeption lässt sich dabei schon etwas genauer festlegen: „Zahlreiche Beispiele und Höhepunkte aus der Programmproduktion stellen die individuell und gesellschaftlich relevanten Leistungen des ORF dar. Kommentare, Statements und Artikel thematisieren den Produktionsalltag und die persönliche Kompetenz von ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern. Zahlen, Daten und Fakten belegen Umfang und Inhalt der ORF Medienproduktion in Fernsehen, Radio und Online. Externe wissenschaftliche Expertisen ergänzen die Berichte und liefern einen Beitrag zur laufenden Qualitätsdebatte“. Jene Leistungsschau gliedert sich wie schon im ersten Jahresbericht 2008 in fünf werteorientierte „Qualitätsdimensionen“, die weitergehend auf 18 Kategorien aufgeteilt wurden. Sämtliche Unterteilungen werden mit Passagen aus dem ORF Gesetz eingeleitet sowie mit den Programmrichtlinien und dem Leitbild des Senders entsprechend aufbereitet.

Tauziehen zwischen Leistung und Mehrwert

Problematisch erscheint dabei die Fokussierung auf die reine Dokumentation der Leistung, da die Definition von Public Value unter dieser Einschränkung bzw. thematisch verengten Sichtweise beschnitten und so kaum erkenntlich gemacht wird, inwiefern gesellschaftliche Interaktion tatsächlich für den Sender relevant ist. So liest man etwa zu Beginn des Berichts beim „individuellen Wert“ im der Kategorie „Vertrauen“: „Der ORF ist sich des in ihn gesetzten Vertrauens der österreichischen Bevölkerung bewusst und leistet einen wertvollen Beitrag zur öffentlichen Meinungsvielfalt und Kommunikationsqualität und damit zu Toleranz, Solidarität und Integration in der Gesellschaft. (…) ORF-Information ist nicht Infotainment, Society News und Spekulation um Werbekundschaft, sondern vertrauenswürdiger Journalismus für mündige Bürger/innen einer demokratischen Gesellschaft.“ Auf den nachfolgenden Seiten werden diese Statements mit optisch aufbereiteten Statistiken („52 Prozent Monatsreichweite hat Orf.at bei Nutzerinnen und Nutzern mit Matura; bei Akademikerinnen und Akademikern sind es sogar 56 Prozent“) und Aussagen von ORF-Mitarbeitern untermauert.

Christoph Varga, Ressortleiter der ZIB Wirtschaft, erläutert exemplarisch Erfahrungen und Arbeitsweisen: „Monat für Monat kommen Horrorzahlen aus dem AMS, wenngleich der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Winter 2009/2010 zurückgegangen ist. In vielen Reportagen haben wir uns des Themas angenommen, haben versucht, Arbeitslosigkeit nicht nur als abstrakte Zahl zu zeigen, sondern auch als Einzelschicksal.“ Durch das exemplarische Vorführen der Programmarbeit und Kreuzverweise auf (gesetzliche) Richtlinien bzw. Selbstverpflichtungen soll dargestellt werden, wie die Sendeanstalt den öffentlich-rechtlichen Auftrag einhält. Dahingehend interessant erscheint die Aussage des ORF-Public Value-Verantwortlichen, Klaus Unterberger, der bei der Präsentation der Printausgabe anmerkte, dass der Sender sich keineswegs selbst ein Zeugnis ausstellen wolle. “Wir maßen uns nicht ein eigenes Urteil an und wollen uns keinen Persilschein ausstellen.

Erweiterung auf eine multimediale Plattform

Ein Schritt in die veränderte Medienlandschaft stellt die seit Juni 2010 zugängliche Seite http://zukunft.orf.at/ dar, die eine kompakte Darstellung der Qualitätsdimensionen mithilfe von etwa 250 (von den Mitarbeitern bzw. Experten und Kritikern selbst verfassten) Video-Kommentaren und Programmbeispielen sowie eine umfangreiche Auflistung bzw. Link-Sammlung des ORF-Onlineangebotes bietet. Die Onlineplattform will dabei nicht nur ORF-Seher und -Hörer ansprechen, sondern auch Mitarbeiter über die „gemeinwohlorientierte Medienkompetenz des ORF“ informieren sowie Einsicht in das Angebot „der Leistungsfähigkeit der ORF-Programme und ihres Werts und Nutzens“ geben. Es soll laut Unterberger weniger Selbstvermarktung als ein Einblick hinter die Kulissen sein, der in den kommenden Jahren als „Gefäß“ für den öffentlichen Diskurs dienen soll.

Dass die Debatte rund um den Sinn und die Aufgabenstellungen eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch stetig sinkende Einschaltquoten, hohe (Personal)-Kosten, zunehmend ökonomisch orientierte Programmgestaltung, umkämpfte Werbemaßnahmen durch die  stärker werdende Konkurrenzsituation sowie aufgrund der soeben beschlossenen Novellierung der ORF-Gesetzes (mit Gebührenrefundierungen in dreistelliger Millionenhöhe) auch zukünftig nicht ausbleiben wird, ist dabei natürlich anzunehmen.

Links:

Fotos:

ORF Mikro von NickPiggott, Lizenz: BY-NC 2.0
Wordle Cloud of the Internet Marketing Blog von DavidErickson, Lizenz: BY-NC 2.0
ORF Radio Steiermark
von marketing deluxe,Lizenz: BY-NC-SA 2.0
154 Blue Chrome Rain Social Media Icons
von webtreats, Lizenz: BY 2.0


contentItemBottomLine

1 Kommentar »

  1. [...] Der ORF präsentiert mit dem Public Value Bericht seine Leistungen in limitierter Print- und mittlerweile auch frei zugänglicher Online-Fassung, ebenso wurde auf zukunft.orf.at das ganze mit Videos aufbereitet. Das Medienjournal sieht sich das genauer an. [...]

    Pingback by Der Public Value Bericht des ORF « The Shortcut — Juli 12, 2010 @ 12:38 pm

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

oesterreichischer Medienverband Buchtipp hosted by Silver Server
@Medienverband
Medienverband auf Facebook
CC license