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7. Juni, 2011 | desiree.schroecker


„Eine bessere Welt ist ohne die Befreiung des Denkens, des Körpers und vor allem der Sprache der Frau nicht möglich.“ Nawal Saadawi, eine ägyptische Autorin und Frauenrechtlerin hat dies schon vor einiger Zeit gesagt, bevor die arabische Welt in ihre Revolutionskämpfe aufgebrochen ist. So lässt sich heute sagen, dass es in den Ländern, wie beispielsweise Ägypten und Tunesien, durch die Befreiung von diktatorischen Machstrukturen auch zur Befreiung des Denkens gekommen ist. Wie sich diese Veränderungen auf die Medienwelt auswirken und insbesondere auch auf die Frauenstimmen im Volk, wird sich noch zeigen. Fakt ist, dass wenn man weit in die Menschheitsgeschichte zurückblickt, die Frau eine ganz andere Funktion inne hatte, als wie in der heutigen Gesellschaft – und dies gilt sowohl für die arabische Welt wie auch für die westliche.

Die Frau als Leitmedium der Urgeschichte

Orientierungshilfen und Steuerungsfunktionen, dies sind wohl die bedeutsamsten Aufgaben, die Zeitungen, Fernsehen, Internet, Radio – also Medien – übernehmen. Wie wir aus der Mediengeschichte wissen, existieren diese Erfindungen noch nicht so lange und so stellt sich die Frage, an was oder wen sich die Menschen früher orientiert haben. Geht man nun die Wege und Strecken in der Zeitgeschichte zurück, in der die Menschheit noch im Matriarchat lebte, so wird man entdecken, dass zu diesen Zeiten die Frau die Steuerungsfunktion inne hatte. Neben der Erfüllung der obersten Priorität eines Systems, nämlich die Fortpflanzung und Reproduktion der Gattung Mensch, agierte sie auch in Gestalt der großen Göttin als das zentrale Kommunikationsorgan. Sie ermöglichte also dadurch die Kommunikation zwischen Mensch und Natur und zwischen den verschiedenen Geschlechtern. Das Verständnis von der Frau als Medium gilt und galt jedoch stets als vorreligiös und bedeutet nicht die Herrschaft der Mütter und der Frauen, da eine matriarchale Gesellschaft gerade eine herrschaftslose Form der Gesellschaft kennzeichnet. Hervorzuheben ist hier allerdings, dass der Begriff der Frau als Kommunikationsmedium immer im Zusammenhang mit kultischer Vermittlung zu sehen ist, es also immer an kultische Feste, an Rituale, gebunden war.

Erste Medienrevolution

Der Wandel von einer matriarchalen in eine patriarchale Gesellschaft geschah langsam und nicht wie oft dargestellt mit einem Schlag der Männer gegen die Frauen. So ist beispielsweise nachgewiesen, dass die Frauen die Sesshaftigkeit begründeten, was aus der überragenden sozialen Bedeutung der Mutterschaft auch durchaus plausibel erscheint. Da die Fortpflanzung als eine Aufgabe galt, die nur die Frauen ausführen konnten und die Rolle des Mannes nicht bekannt war, wurde der Mann erst interessant als die Bedeutsamkeit seines Parts aufgedeckt wurde. Auch in der Übergangszeit zum Patriarchat galt die Frau als übergeordnet, aber nicht als dominierend. Mit der Objektivierung bzw. Veräußerlichung von Natur, Kosmos und Göttlichem, also mit der Verfügbarmachung der Welt, der Instrumentalisierung eigener Bedürfnisse hielten patriarchale Einflüsse Einzug in die Gesellschaft. Das Medium wurde somit nicht mehr als integrativer Teil, als Steuerelement der umfassenden Einheit angesehen, sonder als Mechanismus. Die Ordnung würde nicht mehr gelebt sondern gestaltet, sie wurde hierarchisiert. Somit kam es dazu, dass Einstellungen gegenüber der toleranten Haltung zur Sexualität, der Freiheit für Frauen, dem hohen Ansehen des Weiblichen, der Höherbewertung des Wohlergehens zur Keuschheit, demokratischen politischen Prinzipien und geringen Geschlechtsunterschieden in den Köpfen der Menschen verloren gingen.

Rückläufiger Westen – fortschrittlicher Osten?

Sehen wir uns die momentane Situation der Frauen in den Medien an. Der Frauenanteil im Journalismus in Österreich beträgt ca. 37 Prozent und weiters ist dieses Berufsfeld auch noch von großen Gehaltsunterschieden gekennzeichnet. Vergleicht man die Situation in Österreich mit der Situation in der arabischen Welt, in der gerade eine Revolution nach der anderen stattfindet, dann sollte man zunächst mal seinen Blick schweifen lassen und sich von den Vorurteilen bezüglich arabischen Frauen lösen. Die libanesische Autorin, Journalistin und Magazinherausgeberin Joumana Haddad bemängelt genau das an der westlichen Gesellschaft. Die Vorurteile, die tief verankert sind und die einen zu einem Tunnelblick verführen. So legt sie in ihrem Buch „Wie ich Scheherazade tötete. Bekenntnisse einer zornigen arabischen Frau.“ dar, dass es durchaus auch schreibende, selbstständige, eigenverantwortliche arabische Frauen gibt, die mit beiden Beinen im Leben stehen und die kämpfen für ihr Recht, ihre Meinung zu publizieren.

Heuchlerisches Mitleid des Okzidents

Anstatt der Westen seinen eigenen Frauenproblemen ins Gesicht sieht und versucht etwas dagegen zu unternehmen, beschränkt ersich oft lieber auf die Einsicht, dass es ja noch immer Frauen gibt, denen es viel schlechter geht. Es soll jetzt hier auf keinen Fall die schlimme Frauenunterdrückung, die furchtbaren Schicksale, die viele Frauen auf der Welt erleiden müssen heruntergespielt werden. Doch diese Frauen kämpfen, sie kämpfen dafür schreiben zu dürfen, ihren Platz in der Mediengesellschaft einnehmen zu können und dies auf gleicher Ebene wie der Mann. Auch wenn die Motive und Gründe für Kämpfe unterschiedlicher Natur sind, so kann es sich auch für westliche Frauen durchaus lohnen etwas von dem arabischen Revolutionsgeist aufzunehmen.

Bild: levork, CC BY-SA 2.0

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1 Kommentar »

  1. “Da die Fortpflanzung als eine Aufgabe galt, die nur die Frauen ausführen konnten und die Rolle des Mannes nicht bekannt war, wurde der Mann erst interessant als die Bedeutsamkeit seines Parts aufgedeckt wurde.”

    Dieser Satz könnte mißverstanden werden ;-)

    Kommentar by joanna — Juni 7, 2011 @ 9:32 pm

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