
Rainer Reichl von der Reichl und Partner Communications Group spricht im Interview mit dem Medienjournal über die Veränderung der Medienbranche, was er von Rundfunk als Werbemedium hält und wie er die Zukunft des Medienbussiness sieht.
Medienjournal: Reichl und Partner ist seit 1988 auf dem Markt. Was hat sich in den vergangenen 22 Jahren im Medienbusiness verändert und welche war die Veränderung von der Sie am meisten profitiert haben?
Reichl: Als wir begonnen haben, gab es einen monopolisierten österreichischen Rundfunk. 1989 ist das ganze Medienthema aufgebrochen, Liberalisierung, sage ich nur. Heute gibt es über 60 Radio- und freie TV-Stationen. Durch die Ausbreitung des Internets haben Onlinemedien an Bedeutung gewonnen. Diese sind für uns hoch interessant.
Medienjournal: Letztes Jahr, so entnimmt man den Medien, soll es kein Wachstum gegeben haben. Gewachsen seien lediglich die Rabatte. Wie sehen Sie die Entwicklung der Branche?
Reichl: Ich glaube, Rabatte geben die Medien den Agenturen genauso wie allen anderen Auftraggebern. Meine Prognose war, dass wir ein Nettowachstum von -22,6 Prozent haben werden, und das war auch meine Prognose für den gesamten Medienmarkt im letzten Jahr, weil die Medien nur die Bruttoentwicklungen ausweisen. Für Österreich werden die Nettodaten leider nicht veröffentlicht, das fehlt finde ich. Ich glaube, dass es Sinn macht, auch im Bereich der Mediaanalyse eine Weiterentwicklung voranzutreiben. Es hat sich technologisch sehr viel verändert. Es gäbe zum Beispiel neue Messmethoden und neue Möglichkeiten um sehr genau zu hinterfragen, wie die Medienkonstruktion wirklich funktioniert.
Medienjournal: Man diskutiert über eine Art Musikflatrate für Journalismus. Glauben Sie, könnte ein AKM-Modell für redaktionelle Texte überhaupt funktionieren?
Reichl: Ich glaube, dass das AKM-Modell mittlerweile auch schon mehr als überholt ist. Es gibt jede Menge freie Musik auf dem Markt. Die AKM entstand in einer Zeit, in der wir alle noch monopolisiert waren und man geschützte Bereiche hatte. Wenn man sich einmal überlegt, wie Musikverlage ihr Geschäft entwickeln, dann muss man sich einfach damit abfinden, dass jede Idee schützenswert ist, gerade wegen des Internets.
Medienjournal: Wie sieht es denn mit der Frauenquote bei Ihnen aus?
Reichl: Im Moment gibt es bei uns 68 Prozent Frauen.
Medienjournal: Würden Sie auch Kunden betreuen, die nur dann ein Honorar bezahlen, wenn die von Ihnen ganz klar definierten Ziele auch tatsächlich durch Ihre Werbe- und Kreativleistungen erreicht werden?
Reichl: Ja, wir tun das. Es gibt einige Kunden von denen wir genau so entlohnt werden. Da bin ich voll dabei.
Medeinjournal: Welche großen Herausforderungen sehen Sie in den nächsten fünf Jahren?
Reichl: Eine große Herausforderung ist die Umstellung auf eine langfristige Planung und Ausrichtung. Die wird auch bei den Kunden immer wichtiger. Weiters muss es uns gelingen, einen Schulterschluss mit Agenturen in Deutschland, der Schweiz und in Österreich zu finden. Eine interessante Herausforderung liegt auch im Bereich Central- und Eastern Europe. Das ist für uns ein strategischer Schlüsselbereich. Es gibt dort wirklich fantastisch entwickelte Agenturen mit top gebildeten Leuten. Wir streben eine Kooperation mit diesen Märkten an, um dort Fuß zu fassen.
Medienjournal: Technische Veränderungen machen den Rundfunk tendenziell immer uninteressanter. Hat der Rundfunk langfristig kommerziellen Erfolg?
Reichl: In Österreich machen wir gegenwärtig auf sehr hohem Niveau Radiokampagnen, weil wir gewaltige Reichweiten haben. Ich glaube, Österreich ist ein Land der Radiohörer. Wir decken ein riesiges Spektrum ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Radiolandschaft mittelfristig negativ entwickeln wird. Jedenfalls investieren die Werbeagenturen enorm viel in den Rundfunk.
Medienjournal: Und wie ist das mit dem Fernsehen?
Reichl: Da schaut das Bild ein bisschen anders aus. Es ist natürlich auch eine Frage des Medienrechtes, welche Gestaltungsmöglichkeiten die Stationen erhalten, damit sie ihr Geschäft bewerkstelligen können. Der ORF müsste viel mehr Dienstleistungen anbieten. Ein wichtiger Punkt wäre da die Mediabuchungsthematik. Der Mensch braucht einfach regionale Information, und die holt er sich gern aus dem TV-Bereich.
Medienjournal: Am 15. Oktober findet der Tag der Freien Medien statt. Zum Thema „Veränderung der Medienbranche“ sitzt der Medienstaatssekretär auf dem Podium. Welche Frage würden Sie dem Medienstaatssekretär in diesem Zusammenhang gerne stellen?
Reichl: Die erste Frage wäre sicher: Was tut die österreichische Bundesregierung, um die Vielfalt der österreichischen Medienwelt zu erhalten? Das ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle Frage, die uns einfach wichtig sein muss. Außerdem würde mich ganz stark interessieren, wie der Staatssekretär die Entwicklung der Medienlandschaft in Österreich mittel- und langfristig sieht oder sehen will.
Medienjournal: Wie könnten Sie sich vorstellen, Freie Medien n zu unterstützen?
Reichl: Grundsätzlich unterstützen wir keine Medien, sondern wir buchen sie. Und zwar dann, wenn die Leistungsdaten stimmen. Freie Medien können kritische, meinungsbildende Zielgruppen ansprechen, die für uns genauso interessant sind. Ich glaube, die Freien Medien müssen sich gegenüber den Media-Agenturen besser verkaufen. Wenn jemand für uns interessant ist, dann wird der auch gebucht.
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