
CIRCUS ist modisch, multilingual und mixt Blog-Beiträge zu einem Bookazine; einer Mischung aus Buch und Magazin. Die zweite Auflage braucht über Kickstarter eine Finanzspritze. Medienjournal fragte beim Kreativteam aus Darmstadt nach, was hinter dem ganzen Zirkus steckt.
“Wo zwei Welten aufeinander prallen, fliegen die Funken und Neues wird geschaffen”, heißt es auf der CIRCUS-Website. Denn Blogs, Bücher und Magazine sind nur scheinbar fremde Welten, die sich im Bookazine zu einer bunten Mischung zusammenfügen. Blogger aus aller Welt verfassen exklusiv Beiträge, die zwei Mal im Jahr, mit Fotos illustriert und gebunden, erscheinen.
Entschleunigung der Modewelt
Blogs werden im Internet zwar zeitnah und aktuell gehalten; hierin sehen die CIRCUS- Mitglieder jedoch keinen Widerspruch zu ihrem Konzept. Sie wollen kein tagesaktuelles Blog-Buch für Fashion Victims zusammenstellen, sondern eine redaktionelle Zusammenarbeit mit den Bloggern bei Texterstellung und Illustration pflegen: „Florian: Die Stücke der Blogger unterscheiden sich von den Texten, die sie auf ihren Seiten veröffentlichen: Bei CIRCUS hatten die Blogger die Chance, längere und zeitlose Artikel zu recherchieren und schreiben, während sie in ihren Blogs meist kürzer und aktueller schreiben.“
Den Mode-Bloggern soll Raum gewidmet werden, damit diese neue Blickwinkel auf das Thema Mode entwickeln können. Abseits des teils belanglosen, saisonalen Fashion-Zirkus. „Josef: Dabei war es für uns wichtig nicht die kurzlebigen Themen der Hochglanzmagazine aufzugreifen, sondern das Können der Blogger zu würdigen, sie zu Wort kommen zu lassen und so neue Aspekte an dem scheinbar altbekannten Thema Mode zu entdecken.“
Die erste CIRCUS-Nummer stieß weltweit auf positive Resonanz. In Österreich gibt es noch Boden gutzumachen, obwohl es in der ersten Ausgabe Österreichbezüge gibt. Die Themen zeigen, dass es CIRCUS nicht um Sex and the City- Glamour geht, sondern um einen Perspektivenwechsel. Die Bloggerin blica führte ein Interview mit der mittlerweile verstorbenen Fotografin Sybille Bergemann und untersuchte Model-Ratgeber. Die Wienerin Raphaela Anouk steuerte zwei Gedichte bei und untermalte diese mit Fotographien.
Raum für Expertise und Babylonisches Sprachgewirr
Das Team beobachtet die Mode-Bloggerszene seit langem und findet, dass der Einfluss auf die Modeindustrie ungebrochen stark ist. Und doch wird die Arbeit der Blogger in herkömmlichen Printpublikationen zu wenig beachtet. „Anke: Wir lesen selbst schon seit Jahren Blogs, vor allem Mode-Blogs. Mit der Zeit wuchs die ganze Sache immer stärker; Mode-Blogs wurden immer wichtiger und auch der Einfluss auf die ganze Industrie war nicht mehr zu übersehen.“
Blogger sind vife Experten der Modebranche. Sie beackern Themenfelder, die bei konventionellen Modezeitschriften durch den Rost fallen. Um der Internationalität der Bloggerschaft gerecht zu werden, werden alle Beiträge zweisprachig veröffentlicht: In der Muttersprache des Autors/ der Autorin und in Englisch.
Abseits von Schnickschnack im Modezirkus
Der Name CIRCUS rekurriert auf den Modezirkus, doch auch andere Assoziationen sind intendiert. Ein Drahtseilakt zwischen Print und Online und das Jonglieren verschiedener Sprachen zum Beispiel. Außerdem soll das Publikum positive Gefühle mit der Idee verbinden. „Rebecca: Menschen aus der ganzen Welt kommen zusammen, um ihre Künste zu präsentieren und ein bunt gemischtes Publikum zu unterhalten. Sie bieten einen Blick hinter die Kulissen, in diesem Fall der Modeindustrie. Alles sieht sehr leicht und lässig aus, doch dahinter steckt harte Arbeit und Präzision.“
Mit Umarmungen gegen Geldmangel
Das Bookazine wird einzig über den Verkauf der Exemplare (14 Euro/ Stück) finanziert. Eine Co-Finanzierung durch Werbung oder Förderungen habe nicht funktioniert. Trotz „Krise des Journalismus“ und „Zeitungssterben“ stand eine Printproduktion außer Frage: „Anke: Wir lieben schöne Printprodukte und wollten, dass man unser Bookazine mit allen Sinnen erfassen kann: die frische Druckertinte riechen, das Rascheln des Papiers beim Umblättern hören und nicht zuletzt sieht CIRCUS einfach schön aus, man kann es immer wieder in die Hand nehmen und betrachten oder als Zierde ins Bücherregal stellen.“

Um die zweite Auflage lancieren zu können, steht das Projekt bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter in den Startlöchern. 33 000 Dollar (25 000 Euro) sind angepeilt, um die Druck- und Fixkosten abzudecken. Die Löhne für Team und Blogger sind hier nicht inkludiert.
Wer zwei Dollar spendet und nach Darmstadt zum Firmensitz kommt, bekommt aus Dankbarkeit eine Umarmung spendiert. Dieses Versprechen ist auf Nachfrage wörtlich zu nehmen: „Florian: Natürlich. Wir halten unsere Verspechen. Im Extremfall nehmen wir uns dafür auch ein paar Wochen Zeit, um die Menschenmassen abzufertigen.“
Links
- Bookazine Circus:
- Das Bookazine CIRCUS auf Kickstarter
FOTOS:
- http://circus-bookazine.com/de/press/the-team/ Team: Kreative Köpfe aus Darmstadt, Foto: Julia Wisswesser
- http://circus-bookazine.com/press/preview/ Cover: Bookazine Volume 1, Quelle: circus-bookazine.com
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