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19. Januar, 2011 | katharina.lehner


Der
Social Media- Riese Facebook beißt sich an Japan die Zähne aus, was sich – so Mark Zuckerberg- ändern soll. Eine starke Verbreitung von Mobil- Networks und die Wichtigkeit von Anonymität dürften hier Probleme bereiten.

Auf der ganzen Welt ist Facebook mit mehr als 500 Millionen Usern die Nummer Eins der Social Networks. Auf der ganzen Welt? Nein. In Japan konnte das Netzwerk bislang kaum Fuß fassen. Während 60 Prozent der amerikanischen Internet-User regelmäßig Facebook nutzen, sind es in Japan nur zwei Prozent. Auch in China, Russland und Südkorea bleiben Erfolge bislang aus, wie Facebook- Chef Mark Zuckerberg in einem Interview an der Startup School im kalifornischen Stanford am 17.Oktober 2010 einräumte: “There were really four countries in the world that we aren’t either winning or going to win in or clearly on a path to win. They are China, South Korea, Japan and Russia. And so we started to focus on them this year.”

Ohne den asiatischen Markt wird Facebook an die Grenzen des Wachstums stoßen.  Denn:  “How can you connect the whole world if you leave out 1.6 billion people?”, so Zuckerberg . Der Blick auf den japanischen Markt mit 47 Millionen Usern von 127 Millionen Einwohnern liegt nahe und doch bezweifeln Experten, dass sich Facebook durchsetzen kann.

Japan ein Land der Handy-Networks

Japan ist ein vernetztes Land mit einer starken Blogger-Kultur, weshalb auch Twitter beliebt ist. Die Social Networks  Mixi, Gree und Mobage-town sind die Schwergewichte der Onlineszene. Mixi dominiert mit 30 Millionen Nutzern den japanischen Network-Markt. User vernetzen sich hier durch Diary-Einträge und Foto-Sharing.  Die Nummer Zwei Gree ist vor allem wegen der Handy-Kompatibilität beliebt. Das dritte Network Mobage-town ist überhaupt nur in einer Mobil-Ausgabe zu verwenden. Hier sehen Experten auch einen entscheidenden Nachteil von Facebook, dass für reine Handy-Nutzung unpraktisch ist. Der japanische Social Media- Marketingleiter Tomohiko Kezuka meint daher, dass Facebook am japanischen Markt nicht funktionieren kann: „Mixi is the most popular social networking site in Japan. GREE and Mobage-town are specialized mobile social networking that draw people in by selling flashy avatars and games.”

Weil Facebook in seiner jetzigen Form nicht auf die Nutzerbedürfnisse zugeschnitten ist, sandte Zuckerberg im Oktober 2010 ein Bataillon Techniker nach Japan, die an einer handyfreundlichen Alternative basteln sollen. Doch auch der kulturelle Background trägt zur japanischen Skepsis gegenüber Facebook bei.

Facebook für Japaner ein zu offenes Buch

Vor allem die fehlende Privatsphäre wird bekrittelt, denn auf japanischen Social Network Sites sind Anonymität und Pseudonyme erlaubt. User nutzen Avatare für ihre Interaktionen und brauchen Invites um selbst teilnehmen zu können. Die wenigsten Blogger benutzen ihren tatsächlichen Namen; auch um sich vor Bullying und Beleidigungen im echten Leben zu schützen. Das Bedürfnis nach Datenkontrolle ist ebenfalls stärker, denn User wollen zurückverfolgen wer ihre Seiten besucht hat. Tomohiko Kezuka sieht hier einen wesentlichen Unterschied zur amerikanisch-europäischen Nutzerkultur. Nutzerprofile dienen „im Westen“ eher der Selbstprofilierung, als der Verschleierung.

 

Zuckerberg: Asiatischer Markt ist „difficult ehm different“

Dieser Schwierigkeiten am asiatischen Markt ist sich Zuckerberg bewusst. Facebook könne nicht den Anspruch stellen die „amerikanischen Werte“ Offenheit, Transparenz und Meinungsfreiheit zu verbreiten. Er plädiert im Interview an der Startup School– etwas ungeschickt- für kulturelle Sensibilität: “On the philosophical question of openness and how we view it, my view on this is that every country is pretty difficult ehm different and we want to be pretty culturally sensitive to them.”

Weil Zuckerberg nach China expandieren will, lernt er Chinesisch. Ob auch Japanisch ins Fremdsprachenrepertoire aufgenommen wird, hat Zuckerberg aber nicht verraten.

Links:  Video – Interview Zuckerberg an der Startup School

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