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Die Generation Praktikum – das Begriffsgespann aus zwei Wörtern, die jedes für sich ursprünglich nichts negatives bedeuten. Doch in zusammengeführter Verwendung verheißt es nichts gutes. Eine ganze Generation ist zum Praktikum verdammt. Wir sind jung, gebildet und haben meist wenig Startkapital. Und genau deshalb funktioniert dieses System auch. Uns wird weisgemacht, dass es ohne Praktika nicht geht, dass wir die Berufserfahrung „brauchen“ um später dann den Traumberuf ausüben zu können. Anforderungsprofil: Abgeschlossenes Universitätsstudium,  fünf Jahre Berufserfahrung, Flexibilität.

Der Triathlon

Dass wir auf dem Weg zum Magistertitel einen Wettkampf über zahlreiche freiwillige Praktika und schlecht bezahlte Aushilfsjobs bestreiten müssen, ist uns vorherbestimmt. Der Triathlon, bestehend aus guten Studienleistungen, vielen Volontariaten und mehreren Jobs, die wir einfach „des Geldes wegen“ machen, muss in möglichst geringer Zeit bewältigt werden. Die Älteren sagen uns, wir sollen uns nicht so anstellen – auch sie hätten während ihrer Studienzeit schlimme Arbeiten erledigen müssen – meist um viel weniger Geld (aus ihrer Sicht). Das mag wohl stimmen, mit dem einzigen Unterschied, dass diese Generation, die unserer Eltern aber nach ihrem Universitätsstudium (sofern sie studiert haben) einen Job in Aussicht hatten. Wir selbst fallen danach in ein dunkles Loch, denn auf die tausenden Geisteswissenschaftler oder Juristen wartet in diesem Land kein Unternehmen mehr.

Der Hürdenlauf

Warum aber zu all dem Übel auch noch Journalismus? Weil sich manche von uns immer noch berufen fühlen, schriftlich etwas zu verändern, zu bewegen. Die Wahrheit zu schreiben, die Meinung kundzutun oder komplexe Sachverhalte in verständlicher Weise an die Bevölkerung weitergeben. Dafür haben wir studiert. Darum haben wir Schülerzeitungen lektoriert und Kurzbeiträge verfasst. Wir haben bei jedem noch so kleinen Provinzblatt angeheuert und dann von der Tankstelleneröffnung und der Brückeneinweihung berichtet. Wir haben uns in der Uni zwischen Tausenden einen Sitzplatz ergattert und mit Hunderten um Lehrveranstaltungsplätze um die Wette geklickt. Am Ende standen dann sämtliche bürokratischen Hürden, die das Universitätssystem in Österreich zu bieten hat, für uns bereit – und wir haben den Hindernislauf in Rekordzeit gemeistert. Und wo stehen wir dann? Hinter der Ziellinie. Aber dort wartet nichts auf uns.

Wer bis zum Ende seines Studiums Familien- und/oder Studienbeihilfe beziehen konnte ist zu beneiden. Wer Eltern hat, die einen in der Zeit nach dem Studium (finanziell) auffangen, kann sich glücklich schätzen. Denn der Staat, die Regierung meint, wir sollen auf eigenen Beinen stehen. (Wie sie das geschafft haben, verschweigen sie uns.) Was nach dem Studium, wartet ist nur Ernüchterung. Was bringen die guten Noten, was bringt ein in Rekordzeit abgeschlossenes Studium, wenn man sich Monate nach der Diplomübergabe bei Zeitungen und Zeitschriften um ein unbezahltes Praktikum anstellen muss. Zuerst durchs Assessment Center, dann zum Vorstellungsgespräch, dann zum Probearbeiten. Wer Glück (und Können) hat, darf danach als Freier Mitarbeiter auch ein paar Artikel schreiben.
Bei einer Zeitung sagte man mir einmal „Wenn Sie einen guten österreichischen ÖVP-Hintergrund haben, sind Sie bei uns herzlich willkommen.“ Eine andere Zeitschrift antwortete mir auf die Frage nach einem Praktikum, dass sie nur FH-Studenten Praktikumsstellen anbieten würden.

Inhalte und Respekt

Warum wir uns das alles antun? Weil die Mächtigen und Korrupten der Welt einen Wachhund brauchen. Weil die Verlogenheit diverser Medien nicht ungestraft bleiben darf. Weil es Leser gibt, die mehr wollen als vorgekaute Informationshäppchen. Weil es Zuschauer gibt die bei der 25. Auflage diverser Castingshows und den schamlosen Zurschaustellung von Menschen im Fernsehen nicht mehr zuschauen wollen. Weil es Radiohörer gibt, die auch mal 10 Minuten einer Sendung hören wollen, ohne das sie von Werbungssegmenten und Vorankündigungen auf die (in den nächsten zwei Stunden) kommenden Lieder unterbrochen wird. Damit Inhalte und Respekt zurück in die Medien kommen.

Dafür habe ich Schülerzeitungen lektoriert. Dafür habe ich bei Provinzblättern geschrieben. Dafür habe ich studiert. Dafür schreibe ich unbezahlt für ein Medium. Ich glaube, dass es auch ohne Buckeln vor Medieneigentümern geht und dass der Wunsch nach der Bezahlung von journalistischer Leistung keine Utopie ist.
Wir müssen vielleicht das System Praktikumsgeneration mittragen – aber wir müssen es nicht unkommentiert ertragen.

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1 Kommentar »

  1. Ich denke aber hier werden zwei Problematiken vermischt und so ein als neu Präsentiertes geschaffen. Der langwierige Einstieg in die Journalismus-/ Medienwelt ist definitiv EINE Manifestation der Generation Praktikum. Meiner Meinung nach ist er aber weder beispielhaft für die Generation Praktikum noch wird dies hier differenziert.

    Einerseits hat sich tatsächlich in den letzten 5-15 Jahren eine oft ins unfaire abgleitende Praktikumskultur in Unternehmen entwickelt. In Maßen hat sie ihre Berechtigung – Kreativität oder journalistische Qualitäten können niemals in Noten gemessen oder mit Zeugnissen belegt werden. Viele Unternehmen nutzen diese notwendige Institution um Berufserfahrung zu sammeln aber absichtlich oder erzwungenermaßen aus um Kosten zu sparen. Als Berufseinsteiger kennt man es nicht anders, man hat keine Wahl und spielt das Spiel mit. Wie können wir diese Praxis ändern?

    Andererseits gibt es offenbar gerade bei den Geisteswissenschaftlern einen Überschuss an Absolventen im Gegensatz zum tatsächlichen Bedarf. Warum ist DAS so?

    Diese beiden Probleme verstärken sich gegenseitig. Was bewegt tausende junge Menschen jedes Jahr sich nach ihrer Hochschulreife für ein geisteswissenschaftliches Studium zu entscheiden? Trotz der Generation Praktikum. Gaukelt die Medienindustrie falschen Bedarf vor um das System Praktikum mit frischen Absolventen zu versorgen? Welche Perspektiven erwarten sich Studenten vor dem geisteswissenschaftlichen Studium, (warum) werden diese nach Abschluss nicht erfüllt? Oder gibt es wirklich so viele Menschen deren Motivation die Welt durch kritischen Journalismus im weitesten Sinne verbessern zu wollen sie solche Hürden in Kauf nehmen lässt?
    Das sind Fragen die sich mir im Zusammenhang mit diesem Artikel aufdrängen und deren Bearbeitung vor ihrer Lösung stehen muss.

    Kommentar by Christian Perstl — Januar 19, 2011 @ 8:25 pm

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