
Die österreichische Medienlandschaft befindet sich auch im 21. Jahrhundert wieder im Umbruch. Angesichts der vielen Umbrüche in der Vergangenheit – so die Herausgeberinnen der wissenschaftlichen Publikation Birgit Stark und Melanie Magin – ist diese wissenschaftliche Publikation die aktuellste (2009) übergreifende Zusammenschau von Forschungsergebnissen, die die österreichische Medienlandschaft betreffen. Seit 1992 wurde das österreichische Mediensystem keiner Gesamtanalyse mehr unterzogen. Doch besonders in den letzten zwei Jahrzehnten unterzog sich das Mediensystem massiven Veränderungen, die in den fünf Bereichen des Bandes Presse, Rundfunk, Internet, Journalismus und Medienpolitik abgehandelt werden. Die thematischen Schwerpunkte werden dabei von einer Reihe nationaler und internationaler Medien- und Kommunikationswissenschafter in Einzelstudien untersucht und beziehen sich auf die Medienmärkte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.
“Dieses kleine Land der Riesen, überschattet von einer überdimensionierten Fernseh- und Radioanstalt, überschattet von einer Großfamilie, die Zeitungs- wie Zeitschriftenszene beherrscht. Daran ist nichts normal: Österreichs Medien sind so hoch konzentriert wie kaum welche in Europa, wie wenige in der Welt”, wird Fidler (2004) zitiert und beschreibt einleitend das besondere Merkmal “Pressekonzentration” der österreichischen Medienlandschaft.
Gratiszeitungen, Mobiles TV und Digitale Spaltung
Seit den 1970ern und 1980ern wird in der Schweiz und Österreich eine starke Boulevardisierung in der Presselandschaft verzeichnet, die nicht zuletzt durch das Aufkommen der Gratiszeitungen nochmal einen Aufschwung erhielt. Kritiker sehen die Gratiszeitungen vor allem als Gefahr für die seriöse Presse. Dass Wolfgang Fellner mit seiner “Österreich” mehr Qualität in den hochkonzentrierten Zeitungsmarkt brachte – so seine Absicht – konnten Birgit Stark und Melanie Magin im Kapitel Willkommen im “neuen Österreich” nicht bestätigen.
Als besondere Herausforderung für den ORF wird – wenig überraschend – die Digitalisierung der Fernsehübertragung beschrieben, die durch die größere Auswahl an Programmen den Wettbewerb am Rundfunkmarkt erhöht und somit den ORF zusätzlich unter Druck setzt. Thomas Steinmaurer ergänzt in seinem Kapitel Übergebührlicher Rundfunk? Zum Einfluss der EU-Wettbewerbspolitik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die Diskussionen denen sich der ORF stellen muss – insbesondere der der Ökonomisierung der Medienmärkte in Europa und die damit einhergehende Debatte der Gebührenverwender für öffentlich-rechtliche Rundfunkbetreiber. Einem moderneren Thema widmet sich Julia Wippersberger: dem mobilen Fernsehen in Österreich. Sie kommt zum Schluss, dass mobiles Fernsehen durchaus einer optimistischen Zukunft entgegenblicken kann – sofern die Bevölkerung auch ein Bedürfnis nach mobiler Fernsehnutzung (weiter)entwickelt.
Dem Internet wird lediglich eine Studie – wenn auch eine wesentliche – gewidmet. Mit der sozialen Ungerechtigkeit im Internet beschäftigen sich Herausgeberin Birgit Stark und Uta Rußmann und kommen zu dem Ergebnis, dass mediale Informationsverbreitung durch das Internet nicht zwangsläufig zu einem Wissensangleich innerhalb der Bevölkerung führt, sondern im Gegenteil Wissensdifferenzen verstärkt und somit eine Art “Digitale Spaltung” (Digital Divide) hervorbringt.
Journalismus in Österreich
Doch wie sieht es eigentlich mit dem Journalismus in einer sich so wandelnden Mediengesellschaft aus? Roman Hummel und Susanne Kassel liefern dabei einiges an Datenmaterial. Beispielsweise finden sich rund 70 Prozent Österreichs Journalisten in Niederösterreich und im Burgenland. Der Frauenanteil im Journalismus steigt kontinuierlich und auch die Qualifikationsanforderung sind gestiegen. Der österreichische Durchschnittsjournalist ist – so beschreibt es Daniela Kraus im Kapitel Journalisten und Journalistinnen in Österreich – etwas über 40 Jahre alt, nicht unbedingt Akademiker, lebt wahrscheinlich in Wien und arbeitet bei einer Zeitung, wo er viel Zeit mit seiner Arbeit verbringt, aber auch entsprechend gut entlohnt wird.
Fazit
Das Werk fasst die vielen Aspekte der österreichischen Medienlandschaft zusammen und bereitet diese, trotz des wissenschaftlichen Blickwinkels, für den Leser interessant auf. Nicht allen Kapiteln wird dabei die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt. So ist doch eigentlich die Entwicklung des Internets ein wesentlicher Punkt für den Umbruch der Medienlandschaft, jedoch wird diesem nur ein Kapitel gewidmet. Alles in allem jedoch eine gelungene Sammlung und für den Forscher, der sich mit der österreichischen Medienlandschaft auseinandersetzt, mag dieses Buch wohl ein Standardwerk darstellen.
Birgit Stark, Melanie Magin (Hg.): Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch. Verlag der Österr. Akademie der Wissenschaften, 360 Seiten, 23,60 Euro.
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