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Man liest einen interessanten Online-Artikel und möchte diesen kommentieren. Man klickt auf den Kommentar-Button und erkennt: eine Registrierung ist verpflichtend. Gut, denkt sich der Leser, doch dann erscheinen die Felder: Adresse, Telefon- und Kreditkartennummer.

Immer mehr Menschen lesen die Onlineausgaben von Tages- und Wochenzeitungen. Deren Inhalte kostenpflichtig zu machen, um den dadurch befürchteten Einnahmeverlust auszugleichen, wird seit Längerem diskutiert. Es gibt bereits einige Onlinezeitungen, die auf Grund ihrer „Abonnenten“ existieren können. Dass man nun für Kommentare zu Onlineartikeln zahlen muss, ist aber ein Novum. The Sun Chronicle, eine Zeitung aus Attleboro (Massachusetts), will bei Lesern für die Kommentierung von Artikeln eine einmalige Gebühr von 99 Cent verlangen, welche man über Kreditkarte bezahlen kann.

Erziehung

Der Herausgeber des Sun Chronicle, Orest P. D’Arconte, will damit die Leser „erziehen“. Die Bezahlung von Kommentaren ist für ihn ein Mittel, gegen User ohne Benehmen vorzugehen. D’Arconte meint, dass diese Änderungen notwendig wurden, um unangemessene Kommentare zu vermeiden. Wegen dieser falschen Anschuldigungen, Verletzungen der Forenregeln und Unfreundlichkeiten wurde das Onlineforum der Zeitung bereits im April stillgelegt. Seit 6. Juli ist bekannt, dass sich die Kommentatoren nun registrieren müssen, und zwar mit Name, Adresse, Telefon- und Kreditkartennummer. Außerdem müssten sie zustimmen, dass sie rechtliche Verantwortung für den Inhalt ihrer Kommentare tragen, so der Verleger.

Community-Manager

Online-Foren müssen überwacht werden. Eine Zeitung, die jeden Online-Beitrag kontrolliert ist die New York Times. Die Einschränkung der Kommentarfunktion reicht im deutschsprachigen Raum von freier Nutzung bis zur Freischaltung jedes Beitrags durch die Redaktion (oder durch spezielle Community-Manager). Bei sueddeutsche.de führte das dazu, dass ein nächtliches Posten von Kommentaren nicht mehr möglich ist – da arbeitet kein Community-Manager.

In heimischen Foren von Onlinezeitungen ist eine Registrierung ebenfalls häufig erforderlich und wird von den meisten Lesern als sinnvoll erachtet. Eine Angabe des Namens und der E-Mail-Adresse verhindert zumindest unüberlegte Postings, die aus einer allzu emotionalen Reaktion resultieren. Allerdings bleibt die Frage offen, wie die User reagieren würden, wenn sie plötzlich für ihre Äußerungen zu Artikeln ihre Kreditkartennummer angeben müssten.
Das Vorgehen des Sun Chronicle ist deshalb interessant, weil die Idee hinter der Kommentar-Funktion die Leserintegrierung und -bindung an die Zeitung ist. Eben diese Idee steckt auch in Kommentarfeldern bzw. der „Pinnwand“ bei Social Network Sites wie Facebook. Deren Kosten sind im Moment noch mit Werbung gedeckt, ob die Mitgliedschaft bei diesen Sozialen Netzwerken zukünftig kostenlos bleibt, ist ungewiss.
Wie effektiv dieser Schritt des Sun Chronicle war, wird die Zukunft zeigen. Die registrierten User der Zeitung schreiben alle unter ihrem realen Namen und haben dafür 99 Cent bezahlt. Zurzeit gibt es 18 registrierte Kommentatoren.

Links:

Foto: 108 Glossy Black Comment Bubble Social Media Icons von webtreats.

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