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20. Oktober, 2010 | dominik.meisinger


Sie sind werbefrei, unabhängig und für jeden öffentlich zugänglich – die Freien Radios in Österreich. Eine neue Studie der RTR bestätigt nun wissenschaftlich, dass sie durch ihre Arbeit öffentlichen Mehrwert schaffen.

Freie Radioarbeit unter prekären Bedingungen

Hervorgegangen aus der Piratenradio-Szene haben sich die Freien Radios in Österreich seit dem Fall des Hörrundfunkmonopols 1998 beträchtlich entwickelt. Derzeit sind es 13 Sender, die in weiten Teilen Österreichs jedem Interessierten die Möglichkeit bieten auf Sendung zu gehen und Radio abseits von Quotendruck und Wünschen der Werbewirtschaft gestalten. Gerade deshalb sind Freie Radios oftmals auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen. Ist diese aber nicht dazu gewillt, kann dies mitunter existenzgefährdend werden. So kamen die Freien Radios hierzulande Anfang der 2000er Jahre schwer unter Druck, weil sich der damalige Medien- und Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP) nicht besonders für sie erwärmen konnte und Bundessubventionen lieber kommerziellen Anbietern vorbehalten wollte.

Auch wenn sich die Situation für die Freien Radios heute viel erfreulicher gestaltet und der nicht kommerzielle Rundfunk als dritter Sektor (neben dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten kommerziellen) de facto gesetzlich anerkannt ist – die Arbeit Freier Radios geschieht nach wie vor oftmals unter prekären Umständen und die Unterstützung von öffentlicher Seite erfolgt manchmal eher zögerlich. Jetzt allerdings wurde erstmals eine wissenschaftlich Studie veröffentlicht, welche den gesellschaftlichen Mehrwert der Freien Radios nachweist. „Mehrsprachig und lokal. Nichtkommerzieller Rundfunk und Public Value in Österreich“ wurde von der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde (RTR) in Auftrag gegeben und kürzlich in Wien präsentiert. Sie ist die Nachfolgerin zu zweier bereits 2008 veröffentlichter RTR-Studien zur Lage Freier Radios in Österreich und vergleichbarer Community-Medien in Europa.

Freie Radios stärken Mehrsprachigkeit und lokale Verankerung

In der dritten RTR-Studie zu den Freien Radios legten die Autoren Petra Pfisterer, Judith Purkarthofer, Brigitta Busch und Helmut Peissl – letzterer war bis Oktober 2010 selbst Obmann des Verbands Freier Radios Österreich – den Fokus direkt auf die Schaffung von „Public Value“ durch die Arbeit Freier Radios. „Die zentralen Leistungen von Freien Radios sind die Organisation von Paritizipation und gesellschaftlicher Teilhabe, die Mehrsprachigkeit und kulturelle Diversität in den Programmen sowie der Beitrag zur Meinungsvielfalt“, fasst Peissl das Fazit der Studie zusammen. Für die Studie werteten die Autoren einerseits das Programm der Freien Radios in Bezug auf Mehrsprachigkeit statistisch aus. Andererseits wurden ausgewählte Sendungen auf vier Freien Radios genauer unter die Lupe genommen und Sendungsmachende zu Verwendung von Sprachen, persönliche Motivation sowie Interaktion mit der Hörerschaft interviewt.

Ganze 30 Prozent der Sendungen in Freien Radios sind nicht oder nicht ausschließlich deutschsprachig. Spitzenreiter unter den österreichischen Sendern ist dabei Radio AGORA aus Kärtnen mit einem Wert von fast 70 Prozent, was hier vor allem auf slowenischsprachiges Programm zurückzuführen ist. Aber auch Radio Orange aus Wien weist einen Wert von 50 Prozent an nicht-deutschsprachigen (bzw. nicht ausschließlich deutschsprachigen) Sendungen auf. Besonders interessant ist die Tatsache, dass in etwa einem Fünftel der mehrsprachigen Sendungen sogar mehr als zwei Sprachen zum Einsatz kommen. Insgesamt wird in 24 verschiedenen Sprachen gesendet.

Doch die Studie beschäftigt sich nicht nur mit der Mehrsprachigkeit – denn sicherlich ebenso wichtig wie die Frage, in welcher Sprache etwas formuliert wird, ist zweifellos, welche Inhalte vermittelt werden. Hier konnten die Autoren eine enorme Bandbreite in Freien Radios feststellen. Der nicht-kommerziell orientierte Hörrundfunk scheint als Möglichkeit in den Massenmedien unterrepräsentierte Themenbereiche aufzugreifen und zu thematisieren, also durchaus in Anspruch genommen zu werden. Durch das Aufgreifen von lokalen Themen in der Berichterstattung der Sendungen wie auch durch die Möglichkeit, selbst als Sendungsmacher aktiv zu werden, tragen Freie Radios nach Ansicht der Studienautoren zur gesellschaftlichen Partizipation bei.

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Foto: Dominik Meisinger

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