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15. April, 2011 | katharina.lehner


Bei der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Theodor Herzl-Dozentur an der Universität Wien zeigte sich Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung optimistisch. Stillstand bei Themen wie Pressefreiheit oder Neuen Medien bedeutet aber Rückschritt.

Die Zeitung ist tot, es lebe die Zeitung. Unter diesem Motto eröffnete der 13. Theodor-Herzl-Dozent, Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung, seine dreiteilige Vorlesungsreihe an der Universität Wien. Die Medienlandschaft erlebt Turbulenzen, doch die „Zukunft des Journalismus liegt im Journalismus“. Nicht über das Zeitungssterben jammern, sondern sich auf die Grundwerte der kritischen Berichterstattung besinnen, ist Heribert Prantls Überlebensstrategie.

Pressefreiheit – „ein ausgestopftes Tier“

Pressefreiheit ist grundlegend für Journalismus und Demokratie. Hierzulande ähnelt sie aber einem ausgestopftem Tier: „Es schaut fast echt aus und wird von Zeit zu Zeit abgestaubt“, so Prantl. Demonstranten und mutige Journalisten in Nordafrika, im Mittleren Osten oder in China hingegen kämpfen für ihre Grundrechte: „Dort wissen Menschen, was Pressefreiheit wert ist“.

Journalisten und Politiker in Deutschland und Österreich machen es sich auf Lorbeeren bequem und schmücken sich- ähnlich wie mit Weihnachtsschmuck- von Zeit zu Zeit mit Pressefreiheit. Im alltäglichen Geschäft werden Grundsätze dann eingemottet.

Die Vorratsdatenspeicherung, also die anlasslose Speicherung aller Kommunikationsdaten für sechs Monate, gefährdet die Redaktionsfreiheit. Schließlich könne im Verdachtsfall problemlos überprüft werden, mit wem welcher Journalist wann und wie lange telefoniert hat. Die größte Gefahr für die Pressefreiheit ist aber nicht der Staat, sondern die Presse selbst: „Mit dem Anzeigenverkäufen bricht auch die grundsätzliche Ethik ein“, ist sich Prantl sicher. Schleichwerbung oder Massenkündigungen führen zu Qualitätseinbrüchen und dem Unterwerfen unter ein wirtschaftliches Diktat, das laut Prantl nicht in die Medienbranche passt: „Medien dürfen sich nicht als Renditeunternehmen verstehen.“

Journalismus „löst sich vom Papier, aber nicht auf“

All jenen, denen die Lust am Journalismus nach diesen düsteren Aussichten vergangen ist, kann Heribert Prantl aufmuntern. Die zunehmende Dominanz von Online-Nachrichtenquellen, Social Media und Blogs bedeutet nicht das Ende für den Zeitungsjournalismus. Eine Ergänzung von Online und Print hat Zukunft: „Das Internet bedeutet Rasanz, Kommunikation und Verbreiterung der Nachrichten. Die Zeitung aber steht für Reflexion und Tiefenschärfe.“

Journalismus wird nicht verschwinden, denn  Leser und User brauchen im Informationswirrwarr Orientierung. „Journalismus löst sich vom Papier, aber nicht auf“, so Prantl. Es gibt keinen Grund, warum sich kritische Qualitätsjournalisten vor Bloggern fürchten sollten: „Bloggerei ist nur eine neue Bühne der Freiheit. Kein Schauspieler muss sich vor einer neuen Bühne fürchten.“ Oder einen tragischen Tod sterben.

Prantl ist 13. Theodor Herzl-Dozent

Die Theodor Herzl-Dozentur wurde 2000 vom Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft initiiert. In medial schwierigen Zeiten versteht Universitätsprofessor Hannes Haas die jährliche Vorlesungsreihe „ als offensives Statement für Qualitätsjournalismus“. Heribert Prantl tritt unter anderem in die Fußstapfen von Falter-Journalist Florian Klenk, von Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer oder von Auslandskorrespondentin Antonia Rados.

 

Prof. Dr. Heribert Prantl ist Journalist und Jurist. Seit 1988 arbeitet er als politischer Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und ist seit letztem Jahr Mitglied der Chefredaktion. Vor seiner journalistischen Tätigkeit war Prantl in den 80er Jahren als Richter und Staatsanwalt tätig und ist heute Honorarprofessor in Bielefeld.

Tipp:

10. Mai und 18. Mai 2011 jeweils von 10:00 bis 12:00- Teil 2 und 3 von Heribert Prantls Vorlesungen im Hörsaal 33 im Hauptgebäude der Universität Wien. Der Eintritt ist frei.

 

Bild: Screenshot KL von Medienportal Universität Wien

 

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