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22. September, 2010 | joanna.schild


DUM (Das Ultimative Magazin), eine Plattform für alle kreativen Köpfe im deutschsprachigen Literaturraum, feiert am 23. Oktober seinen 18. Geburtstag. Grund genug also, hinter die Kulissen dieser langjährigen Talentschmiede zu blicken. Das Medienjournal sprach mit DUM – Mitbegründer und Mitherausgeber Wolfgang Kühn über die Anfänge in den 1990ern, das Innenleben einer Literaturzeitschrift sowie seine persönlichen Highlights aus dieser Zeit

Medienjournal: DUM gibt es bereits seit 18 Jahren. Als Mann der ersten Stunde können Sie bestimmt erzählen wie es dazu kam?

Kühn: Damals saßen wir, nach einer langen Nacht, im Zug nach Wien und hatten die Idee etwas „anderes“ zu machen. Wir entschieden uns für eine Zeitschrift. Am nächsten Tag, den 23. Oktober 1992, das weiß ich noch genau, es war nämlich mein Geburtstag, war bei mir in der Wohnung die konstituierende Sitzung. Dabei setzten wir uns das Ziel, zu Weihnachten am Heiligen Abend, vor der Kirche die 0-Nummer zu verteilen. Die ersten drei Ausgaben machten wir nur zu dritt, so hatte jeder von uns um die zehn bis zwölf Seiten zu füllen. Am 24. Dezember haben wir uns dann tatsächlich vor die Kirche gestellt und unser Blatt gratis verteilt. Die Menschen waren ziemlich überrascht und wussten nicht genau was das sollte.

Ab der dritten Ausgabe hatten wir Gastautoren drin. Die Vervielfältigung geschah mittels Kopiermaschine. Die einzelnen Blätter wurden großflächig zum trocknen aufgelegt, bevor sie zusammen getackert wurden. Die Auflage, zunächst 50 Stück, wurde dann auf 100 gesteigert. Es sind insgesamt 16 solcher Untergrund-Ausgaben erschienen, alle nur auf die Region Krems und Langenlois beschränkt. Irgendwann hatten wir die Überlegung es etwas größer anzulegen. Mittlerweile erreicht die Auflage 1.000 Stück. Seit 1996 gibt es den Verein DUM und die Texte erreichen uns aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Medienjournal: Welches Ziel steht hinter eurer Arbeit?

Kühn: DUM war anfangs ein nicht allzu ernst gemeintes Produkt, welches aus Spaß an der Literatur und Kreativität entstanden ist. Es gab Ausgaben, in denen sich die Autoren etwas gegenseitig ausgerichtet haben. Dann ging der regionale Bezug immer mehr verloren und wir begannen Präsentationen und Lesungen zu organisieren, mit dem Ziel, unbekannte Autoren zu entdecken und ihnen eine Plattform zur Veröffentlichung ihrer Prosa und Lyrik zu bieten. Wir verschicken unser Magazin auch an alle anderen Literatur- und Kulturzeitschriftenverlage, damit diese auf die Autoren aufmerksam werden. Es ist schon einige Male passiert, dass so mancher auf diese Weise zu einer Publikation kam.

Medienjournal: Wie hat die Welt damals von DUM erfahren? Das Internet wurde ja noch nicht so stark genutzt.

Kühn: Wir schickten an Zeitschriften, wie z.B. die Autorensolidarität, das Thema der nächsten Ausgabe mit Aufruf zum Einsenden von Texten. Es dauerte sieben Jahre bis aus unserer reservierten URL dann tatsächlich eine Website wurde.

Medienjournal: In der heutigen schnelllebigen Zeit ist ein 18. Jubiläum eines kleinen Mediums etwas Ungewöhnliches. Was ist das Erfolgsrezept und warum machen Sie weiter?

Kühn: Ich mache es, solange es mir Spaß macht und ich damit etwas erreichen kann. Für mich sind es diese Momente, wenn ich irgendwo lese, dass ein bestimmter Autor oder Autorin ein Buch veröffentlicht oder einen Preis bekommen hat. Wenn ihre erste Veröffentlichung in unserer Zeitschrift war, spürt man, dass man vielleicht gerade damit irgendjemandem Mut gemacht oder geholfen hat. Das scheint nirgends auf, aber das fühlt man. Magda Woitzuck, damals 16/17 Jahre alt, hatte ihre erste Veröffentlichung im DUM. Mittlerweile hat sie sich mit vielen Literaturpreisen und Publikationen einen Namen gemacht. Darauf bin ich irgendwie stolz.

Genauso bin ich sehr stolz, dass ich mit DUM-Mitbegründer des Festivals Literatur und Wein sein durfte, welches sich im Laufe der Jahre zum internationalen Literaturfestival ausgeweitet hat und indirekt ja auch Anlass zur Gründung des Unabhängigen Literaturhaus NÖ gegeben hat.

Medienjournal: Was waren die größten persönlichen Herausforderungen in dieser Zeit?

Kühn: Nach den ersten 16 Ausgaben merkten wir langsam, dass wir ins Berufsalter hineinwachsen. Die einzelnen Interessen lebten sich schnell auseinander, manche wechselten in die Wirtschaft.  Da war es klar, dass es frisches Blut braucht und vor allem Leute, die in erster Linie an der Literatur interessiert sind. Nach dem tragischen Unfalltod unserer Kollegin letztes Jahr, standen wir wieder an einem Scheideweg und fragten uns wie und ob es weitergehen soll. Da ist dann Markus Köhle auf uns zugekommen und wir haben uns neu formiert.

Medienjournal:…und Ihre persönlichen Highlights?

Kühn: Im Rahmen unserer Präsentationen und Lesungen kam ich viel rum und lernte viele großartige Autoren kennen. Ich erinnere mich z.B. an eine 24-Stunden-Lesung in Kiel, wo ich den türkischstämmigen Autor Feridun Zaimoglu kennenlernte oder unsere Teilnahme am Tolstoi Festival in Russland, bei dem wir nicht nur Texte von russischen und ukrainischen Autoren gesammelt und von einer Kollegin übersetzen ließen, sondern DUM im Rahmen eines internationalen Festivals vorstellen und dabei den Bestsellerautor Alessandro Baricco kennenlernen durften. Ab 2003 haben wir jede DUM-Ausgabe auch zumindest ein Mal präsentiert. Dabei sind sehr interessante Veranstaltungen entstanden. Unter den zahlreichen AutorInnen, die bei DUM-Veranstaltungen schon gelesen haben, waren so klingende Namen dabei wie Radek Knapp, Daniel Glattauer, Thomas Glavinic oder Anna Mitgutsch.

Medienjournal: Wie finanziert sich DUM?

Kühn: Wir bekommen Unterstützung vom Land NÖ (Kulturabteilung) und vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Außerdem bringen uns die Inserate, die Abos und einzelne Bestellungen per Internet etwas Geld. Ganz gut werden auch die angebotenen Packages zu den im DUM vertretenen Autoren angenommen.

Medienjournal: Ist DUM auch im Einzelhandel erhältlich?

Kühn: In den Anfangszeiten belieferten wir alle Trafiken und Buchhandlungen der Region Krems bis Horn mit dem Auto, der Zeitaufwand wurde aber zu groß und es zahlte sich nicht wirklich aus. Als Verkaufform hat sich vor allem das Abo durchgesetzt.

Medienjournal: Nach welchem System bzw. nach welchen Kriterien geht die DUM-Redaktion bei der Auswahl der Texte vor?

Kühn: Es gibt immer einen Themenschwerpunkt, der im jeweiligen DUM-Heft für die kommende Ausgabe verraten wird. Die Themenschwerpunkte dieses Jahr waren „Abziehbilder/Kopien“ und „Mannsbilder“.  Die kommende Ausgabe dreht sich um die  „Feindbilder“. Wir haben seit Beginn folgendes System, welches sich sehr gut bewährt hat: Ich schicke alle Texte anonymisiert an die anderen Redaktionsmitglieder zur Bewertung. Es gibt neun verschiedene Bewertungsstufen, wie 1, 1-2, 2, 2-3 etc. Die Punkteanzahl die ein Text jeweils erreicht, wird abschließend summiert. Die Texte mit der geringsten Punkteanzahl schaffen es ins DUM. Wir bitten um Zusendungen, bestehend aus zehn Gedichten oder drei Prosatexten und ausschließlich per E-mail!

Medienjournal: Was erwartet uns in der Zukunft?

Markus Köhle ist aus der Schweiz zurück, doch er wird im Oktober seinen Blog in Slowenien fortsetzen. Redaktionsschluss für DUM Nr. 56 mit dem Themenschwerpunkt „Bodyb(u)ilder“ ist am 11. Oktober 2010.

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