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17. November, 2010 | laura.sabetzer

Ausgelöst durch eine spontane Aktion führte die Audimaxismus-Bewegung durch ihre internationale Vernetzung zu einer Bildungsdebatte in ganz Europa und wurde so zu einer Bewährungsprobe an die Aussitzerqualitäten der Regierung. #unibrennt – Bildungsprotest 2.0 dokumentiert die Studentenproteste im Jahr 2009 von ihrem Beginn bis zum Ende.

Transparente, Banner, Megafone

Am Donnerstag dem 22. Oktober 2009 besetzten Studenten der Akademie der Bildenden Künste Wien, die sich seit 20. Oktober in Generalstreik befand, (spontan) das Auditorium Maximum der Universität Wien. Es folgte eine monatelange Besetzung des Audimax’ mit Solidaritätsdemonstrationen zuerst in Graz, Innsbruck, an der TU Wien und am Juridicum Wien. Der Audimaxismus (Wort des Jahres 2009) mobilisierte Studenten in ganz Europa und „entzündete“ schließlich auch Köln, Potsdam, Madrid, Sevilla, Paris und andere europäische Städte. Die 90-minütige Doku zeigt die chronologische Geschichte der Audimax-Besetzung, die Arbeit der Besetzer und die dadurch ausgelöste Bildungsdebatte.

Der erste Teil des Films widmet sich den eindrucksvollen Bildern, die auch durch die Medien gingen: Tausende Studierende im größten Hörsaal der Universität Wien, die feiern, protestieren, besetzen, debattieren, kochen und schlafen. Am Höhepunkt der Besetzung bringen Auftritte der Polit-Punk-Band Anti-Flag oder Gustav sowie Besuche von Globalisierungskritiker Jean Ziegler, Schriftsteller Robert Menasse oder Kabarettist Josef Hader weitreichende Medienaufmerksamkeit.
Im zweiten Teil des Films zerbröckelt aber diese Fassade der Audimax-Besetzung. Studierende, die wochenlang an ihre Grenzen gehen und bereitwillig zu Debatten in ganz Europa fahren, sind nun entkräftet. Die Demonstranten werden müde, die internen Streitigkeiten (darf im Audimax geraucht werden oder nicht?) wachsen und die Zahl der Obdachlosen in den Hörsälen übersteigt bald die der Studierenden. Die logische Konsequenz ist die Räumung durch die Polizei, die neben 15 Studierenden 80 Obdachlose vorfinden.

Twitter, Facebook & Co.

Die Audimaxismus-Bewegung verstand sich als Kollektiv, weshalb als Regisseure auch nur die AG Doku und coop99 genannt werden.
Twitter und Social Network Sites wurden zu den Hauptmedien der studentischen Besetzer und informierten die Leser online im Minutentakt über das Geschehen. Der Film nimmt darauf Bezug und präsentiert sich als ein Produkt der multitaskingfähigen Jugendkultur: Twittermeldungen poppen an den Bildrändern auf; die Einstellungen wechseln zwischen Kamera- und Web-Livestreambildern. Ebenso werden Pressetexte heimischer Zeitungen eingeblendet, die teilweise amüsieren, teilweise schockieren. Denn die Presse berichtete nicht immer wahrheitsgetreu und neutral über den Bildungsprotest. Forschungsarbeiten am Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft zeigten, dass vor allem die Boulevardblätter wie die Kronen Zeitung negativ über die Besetzung berichteten, wohingegen Der Standard positive Tendenzen in ihren Artikel aufwiesen.

Öl ins Feuer gießen

Der Film zeigt das Potential der Besetzung und die Ratlosigkeit der Politik damit umzugehen. Am Schluss saß die Regierung am längeren Ast. Bilder, die den ehemaligen Wissenschaftsminister Johannes Hahn oder seine Nachfolgerin Beatrix Karl zeigen, liefern einen Beweis für die Unschlüssig- und Ideenlosigkeit der Politik. Das beste Beispiel bietet der Interviewausschnitt mit dem Generalsekretär des Wissenschaftsministeriums, Friedrich Faulhammer, der auf eine Frage antwortet: „Mit grundsätzlicher Veränderung habe ich ein Problem.“

Die Studierenden, die zum Schluss den Hörsaal verließen, versprachen weiterzuarbeiten und das Feuer am Brennen zu halten. Doch am Ende bleibt für den Kinobesucher die Ernüchterung: Ein Jahr nach der Besetzung befinden sich Studierende in Österreich in einer noch schlechteren Situation als zuvor: Es gibt keine Verbesserungen, keine Änderungen, keine Strukturreformen für die Universitäten. Stattdessen eine Kürzung der Familienbeihilfe der über 24-jährigen. Während man 3000 Maturanten zum Aufnahmetest der Medizinuni ins Austria Center strömen sieht, fällt über dem Eingang des Audimax das letzte Banner: „Freie Bildung“. Hier gießt niemand mehr Öl ins ausgehende Feuer.

Links:
#unibrennt – Der Film
#unibrennt – Trailer
#unibrennt
unsereuni – Wiki
unibrennt – TV

Foto: #unibrennt – Bildungsprotest 2.0 – Filmplakat, copyright: Thimfilm

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