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18. Oktober, 2010 | admin


Die Magazine an.schläge, fiber, grundrisse, Kulturrisse, MALMOE und migrazine.at haben zusammen mit der IG Kultur und dem Kulturrat einen offenen Brief gegen den Tag der Freien Medien bzw. an den Medienverband veröffentlicht; der offene Brief findet sich hier. Mit diesen Zeilen möchten wir auf die Kritik reagieren, unsere Motivationen und Hintergründe offen darlegen und unsere Kritikerinnen und Kritiker zum Dialog einladen.

Einer der am stärksten beanstandeten Punkte des „Tags der Freien Medien“ im Jahr 2008 war, dass mit dem „fluc“ die Wahl auf eine Örtlichkeit gefallen ist, welche den an sich selbst gestellten Ansprüchen der durch den Medienverband vertretenen Medien nicht gerecht wurde. Mit der Wahl des (uns frei zur Verfügung gestandenen) Quartiers für digitale Kultur im Museumsquartier hofften wir, einen geeigneteren Ort gefunden zu haben. Ob es sich bei dem QDK tatsächlich um einen Hort der „neoliberalen Kreativwirtschaft“ handelt, ist im Angesicht von Veranstaltungen wie etwa den dort live übertragenen „Big Brother Awards“, einer „Ubuntu Release Party“ oder Partnerinnen und Partnern wie „Okto“ oder „monochrom“ durchaus fraglich. Auch, ob es überhaupt möglich ist, einen Ort zu finden, welcher über keinerlei ideologischen oder andersartigen Vorprägungen verfügt.

Die Kritik an der Besetzung des Podiums können wir zu Teilen nachvollziehen. Zwar wurde mit Medienstaatssekretär Josef Ostermayer ein für die österreichische Medienpolitik (welche auch die Freien Medien betrifft) bestimmender Charakter, mit Martin Blumenau ein Kenner und starker Kritiker der Freien Medienszene und mit diepresse.com-Chef Peter Krotky ein interessanter Gegenpart eingeladen. Allerdings sorgte die Genderbalance sowie die geringe Repräsentation von Mitgliedsmedien auch intern für Diskussionen – was nach der Absage des Medienstaatssekretärs umgehend dazu geführt hat, Michaela Adelberger vom Verband der Freien Radios Österreichs einzuladen. Die Entscheidung, drei Euro Eintritt zu verlangen, wurde nach einer teilweise heftig geführten Debatte innerhalb des Vorstands des Medienverbands gefällt. Die (auch interne) Kritik daran wurde allerdings wahrgenommen und wird in zukünftigen Entscheidungsprozessen sicher ihren Einfluss finden.

Der mit Abstand größte Kritikpunkt, welcher auch auf dem Podium des „Tags der Freien Medien“ ausführlich behandelt wurde, war die Frage nach der Definition eines „Freien Mediums“ bzw. die Auffassung des Medienverbands zu dieser.

Der Medienverband versteht „Freie Medien“ als offene, partizipative, pluralistische und alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens kritisch, objektiv und journalistisch behandelnde Publikationen, welchen jedoch keine inhaltlichen Zielsetzungen, seien diese auch noch so gut gemeint und begrüßenswert, auferlegt werden sollten.* Wir vertreten die Auffassung, dass eine Mediendefinition vor fachlichem, nicht vor ideologischem oder weltanschaulichem Hintergrund erarbeitet werden muss. Die aktuelle Diskussion zeigt allerdings, dass es hinsichtlich der Präzisierung dieses Begriffes noch eines Nachdenkprozesses bedarf – zu dem wir alle Kritikerinnen und Kritiker auch herzlich einladen.

Zwar möchten wir hinzufügen, dass uns die Kritik auf eine wenig nachvollziehbare Art und Weise erreicht hat. Sie wurde uns im Vorfeld des Tags der Freien Medien, trotz monatelanger Vorankündigungen, jederzeit offener Kommunikationskanäle sowie einigen persönlichen Kontakten, kein einziges Mal direkt vorgetragen oder übermittelt.

Dennoch wollen wir versuchen, auf die Vorwürfe offen und konstruktiv zu reagieren und in einen nach allen Seiten offenen Dialog zu treten. Erste Vorgespräche wurden schon geführt, erste Termine bereits fixiert, auch freuen wir uns jederzeit über weitere Gespräche und laden dazu herzlich ein. Denn, unabhängig von der Frage der Definition: die Probleme der Medien, welche der Medienverband vertritt, sind real. Und dass es eine starke Interessensvertretung braucht, welche versucht, vereint diesen Problemen zu begegnen, ist unumstritten.

Wir freuen uns schon auf die kommenden Gespräche.
Der Vorstand des Medienverbands

* Der Umkehrschluss, dass etwa sexistisch, rassistisch oder homophob agierende Medien von uns Unterstützung erfahren würden, ist nicht zulässig. Dies lehnen wir in strikt und in jeder Konsequenz ab.

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